Montag, 31. Dezember 2007

Tag einundachtzig

Heute bringt meine Schwester ihre zwei lieben Hunde für ein paar Tage zu den Eltern. Beide sind absolute Schmuser und schlafen am liebsten bei Mutter unter der Decke. Dann hat Mutter viel anhängliche Wärme, das wird ihr gut tun. Muxi, ein Schnautzermischling, weicht ihr dann am liebsten nicht mehr von der Seite und somit hat sie immer jemanden bei sich. Ihre eigenen zwei Hunde sind viel zu groß dafür und machen am liebsten lange Spaziergänge im Wald. Doch da ist Mutter leider schon lange nicht mehr mitgegangen. Und das wird wohl auch noch eine lange Zeit dauern, bis sie das hoffentlich irgendwann wieder einmal kann.

Sonntag, 30. Dezember 2007

Tag achtzig

Heute hatte Mutter Besuch von einer lieben Freundin, die sie etwas aufrichten konnte. Sie bekommt nicht oft Besuch. Aber wenn sie Besuch bekommt von jemanden, den sie sehr mag, dann tut ihr das richtig gut. Sie wohnt aber erst seit fünf Jahren an diesem Ort und hat nicht viele Freunde machen können. Die alten Freunde können nur anrufen, denn die wohnen 6 Autostunden weit weg. Manchmal grübelt Mutter nun auch, ob es eine weise Entscheidung war, im Alter noch an einen ganz anderen Ort zu ziehen, auch wenn der sehr malerisch ist.

Am frühen Abend hat sie dann noch Kartoffelsalat mit Würstchen gemacht und danach war sie ziemlich erschöpft. An einen normalen Tag wie früher ist noch lange nicht zu denken. Hauptsache es geht weiter, irgendwie.

Samstag, 29. Dezember 2007

Tag neunundsiebzig

Mutter geht es nicht so besonders. Sie hat das Gefühl, als ob sie immerzu sehr schlapp sei. Sie hat gar keine Energie und möchte am liebsten immer wieder schlafen. Aber sie zwingt sich aufzustehen, damit sie ein wenig Bewegung hat.

Heute guckt sie Skilaufen im Fernsehen. Mutter schaut sich gerne Sport an, besonders Ski- und Radrennen. Dann kommt sie endlich auf andere Gedanken.

Freitag, 28. Dezember 2007

Tag achtundsiebzig

Mutter ist immer noch so schlapp. Nach jeder kleinsten Arbeit muss sie sich hinlegen und dann schläft sie tief und fest. Auf der einen Seite ist sie froh darüber und auf der anderen Seite deprimiert es sie auch weil sie nicht mehr selber alleine zurecht kommen kann. Auch der Schwindel ist zwischendurch immer mal wieder da. Das seien die Nebenwirkungen von der letzten Chemo und die nächste Behandlung ist auch nicht mehr so lange hin. Hoffentlich wird das nicht schlimmer. Wir hoffen mit Mutter.

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Tag siebenundsiebzig

Mutter hat zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein richtiges Essen gekocht. Sie muss nur dazwischen öfter Pausen einlegen, dann geht es schon. Besuch hatte sie auch, von einer Nachbarin. Aber das strengt sie etwas an, denn sie interessiert sich im Moment nicht viel für neue Themen. Ihre Krankheit bestimmt eben auch ihre Gedanken und Interessen. Was sie früher vielleicht interessiert hätte, ist heute gar nicht mehr so wichtig. Themen des Lebens bekommen ein anderes Gewicht. Alles ändert sich. Aber es geht weiter. Schritt für Schritt ein wenig Normalität, das ist schon viel bei so einer Krankheit.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Tag sechsundsiebzig

Mutter ist mit sich ganz zufrieden, sagt sie. Nur ein wenig Knochenschmerzen. Aber sonst geht es. Sie hofft so sehr, dass sie die Krankheit übersteht. Am 2. Januar ist die nächste Chemo, ihr ist nicht mehr bange davor, aber sie weiß doch, es wird wieder hart. Aber sie will kämpfen.

Heute hat sie sogar gekocht und mit Vaters Hilfe die Betten gemacht. Danach war sie aber wieder sehr müde. Sie ist immer sofort müde. Doch damit hat sie sich abgefunden, der Arzt hat gesagt, sie solle nur noch das machen, was ihr gut tut. Das will sie jetzt tun.

Sie braucht viel Kraft für diesen Kampf.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Tag fünfundsiebzig

Mutter geht es gar nicht gut, Schwester ist wieder geflogen, sie ist so traurig. Schwester war so eine Hilfe, die fehlt ihr so. Jetzt fallen ihr die Kreuzschmerzen so schwer.

Alles fällt ihr schwer, so schwer. Jetzt will sie nur noch durchhalten.

Montag, 24. Dezember 2007

Tag vierundsiebzig

Mutter hat Knochenschmerzen, diese Spritze, die dafür sorgen soll, dass ihre Leukos wieder wachsen, verursacht nun mal Knochenschmerzen. Es geht ihr deswegen mehr so durchwachsen, sie muss es einfach aushalten. Heute wird Weihnachten gefeiert, meine Schwester kocht. Mutter denkt mit Schrecken daran, wenn Schwester morgen wieder nach Hause fliegt. Sie ist eben doch eine große Hilfe. Aber ich fahre ja am 2. Januar hin und bleibe auch ein paar Tage.

Vater ist oft überfordert, er ist nunmal auch schon 71.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Tag dreiundsiebzig

Mutters Blutwerte sind wieder ok, sie fühlt sich auch gut. Im Krankenhaus hat sich der Arzt eine halbe Stunde Zeit für sie genommen und ihr das mit den Leukos erklärt. Jedenfalls ist sie guter Dinge und genießt die Winterlandschaft in Gartow, dort ist alles voller Rauhreif und es sieht wunderbar aus. Auch Schwester genießt es, mal was anderes als Palmen.

Samstag, 22. Dezember 2007

Tag zweiundsiebzig

Blutkontrolle, wie jeden Tag, und wie jeden Tag durch die Winterlandschaft nach Salzwedel, 30 Kilometer, die Leukos viel zu niedrig, also eine Spritze, die irgendwas künstlich macht, wahrscheinlich Leukos, oder was auch immer, jedenfalls geht es Mutter nun gut. Sie waren auf dem Rückweg sogar noch auf einem Weihnachtsmarkt in Lüchow.

Morgen aber wieder Blutkontrolle. Wie gut, dass meine Schwester da ist, wie gut.

Freitag, 21. Dezember 2007

Tag einundsiebzig

Mutter geht es wieder ein wenig besser. So eine Chemo ist halt ein regelmäßiges auf und ab. Aber sie hört sich recht gut an, meine Schwester kümmert sich um alles, schmeißt den Haushalt und Mutter lässt sich ein wenig verwöhnen. Bis zum neuen Jahr hat sie erstmal Ruhe. Dann geht es wieder los.

Sechs Mal, dann hat sie es geschafft. Also diesen Teil. Sie ist zuversichtlich. Wir auch.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Tag siebzig

Mutter geht es so lala. Meine Schwester war heute mit ihr zur Blutuntersuchung. Die Leukos sind auf dem niedrigsten noch akzeptablen Stand. Aber soweit alles normal, wie es eben bei einer Chemo normal genannt wird. Sie ist sehr atemlos. Aber ansonsten geht es ihr recht gut. Den Umständen entsprechend.

Und ohne Haare, sagt meine Schwester, sieht sie gar nicht aus wie ein Monster, sondern wie ihr Bruder unser Onkel Manfred. Aber vielleicht findet sie das ja grad monsterhaft ;-))))

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Tag neunundsechzig

Was ist Mutter froh, dass sie zu Hause ist!! Und dass Schwester da ist. Sie hat kaum noch Nebenwirkungen, nur noch ein wenig schwindelig ist ihr. Es wird von Tag zu Tag besser. Jetzt wird erstmal Weihnachten gefeiert, mit meiner Schwester, die 20 Jahre kein Weihnachten mehr gefeiert hat. Sogar ein Bäumchen gibt es. Das schaue ich mir am 2. Januar an, wenn ich hinfahre.

Dann hat Mutter allerdings ihre dritte Chemo und dann ist erstmal mit der Herrlichkeit vorbei.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Tag achtundsechzig

Mutter ist so froh, endlich wieder zu Hause!! Meine Schwester kocht für sie, Vater ist also auch entlastet, und er ist nicht mehr so alleine zu Hause. Es geht alles seine geordneten Bahnen, was er so sehr braucht.

Am 2. Januar bekommt Mutter die 3. Chemo und ich werde da sein und kann mich um sie kümmern. Im April ist dann chemomäßig alles überstanden.

Und meine Schwester hat sogar weihnachtlich dekoriert, sie ist ja an Heilig Abend noch dort. Das ist wirklich gut, Mutter ist umsorgt, das ist uns allen wichtig.

Montag, 17. Dezember 2007

Tag siebenundsechzig

Heute ist Mutter nur schwindelig, das kommt immer nach den Knochenschmerzen und der Übelkeit. Zuerst schmerzen die Knochen ganz fürchterlich, dann ist ihr übel, aber ohne dass sie brechen müsste. Und dann ist das wie von Geisterhand weg und der Schwindel kommt.

Meine Schwester ist gelandet, morgen holt sie mit Vater unsere Mutter aus der Reha ab. Mutter ist so froh, dass diese Zeit endlich vorbei ist. Sie glaubt, dass sie die Chemo jetzt zu Hause aushalten kann. Denn nun hat sie keine Angst mehr davor, sie weiß, was sie erwartet.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Tag sechsundsechzig

Mutter geht es wieder besser, die Nebenwirkungen der Chemo lassen wieder nach und sie ist guter Dinge. Morgen kommt meine Schwester angeflogen, die sie über Weihnachten besucht, Mutter freut sich sehr. Sie fühlt sich von ihrer Familie gut bekümmert und dort gut aufgehoben und das merkt man ihr auch an. Sie wird jeden Tag von uns angerufen, sie kann sich austauschen, alles erzählen und das tut ihr auch sehr gut.

Am Dienstag wird sie entlassen. Jetzt weiß sie, wie die Chemo wirkt und kann es bestimmt auch zu Hause ertragen. Vier Mal hat sie noch vor sich, dann ist diese Etappe auch geschaft. Dann kommt die nächste, Schrittchen für Schrittchen.

Doch erstmal geht es ihr wieder besser.

Samstag, 15. Dezember 2007

Tag fünfundsechzig

Mutter geht es schlecht, Übelkeit, große Übelkeit, und jeder einzelne Knochen tut ihr weh. Aber die Übelkeit überwiegt.

Sie will in Ruhe gelassen werden. Es geht ihr nicht gut. Wirklich nicht .

Freitag, 14. Dezember 2007

Tag vierundsechzig

Mutter geht es entschieden besser, sie verträgt die Chemo recht gut, bis auf die zwei Tage danach, wo sie arge Knochenschmerzen hat. Und sie träumt schon wieder von ihrer Badewanne. Und ihrem Bett. Sie will es schaffen, sie hat sich fest vorgenommen es zu schaffen.

Dienstag kommt sie erstmal nach Hause.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Tag dreiundsechzig

Langsam, ganz ganz langsam geht es Mutter wieder besser. Sie kennt nun die Nebenwirkungen einer Chemo und weiß, was die nächsten vier Male auf sie zukommt. Essen kann sie nicht, allein der Gedanke an Essen verursacht ihr übelkeit. Und die Knochenschmerzen sind wieder da. Aber sie will kämpfen und durchhalten und den Krebs besiegen.

Jetzt wartet sie, dass diese Nebenwirkungen endlich wieder vorbeigehen. Das bedeutet dann ein paar Tage Ruhe, bis zur nächsten Chemo. Vier Mal noch, dann hat sie diesen Weg erstmal überstanden. Dann folgt der nächste.

Schrittchen für Schrittchen. Und es kommt ihr wirklich manchmal so vor, als seien es winzig kleine Schrittchen.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Tag zweiundsechzig

Heute hat Mutter leider wieder Knochenschmerzen. Und auch Verstopfung. Nebenwirkungen der Chemo. Zwei Tage ging es ihr trotz aller Befürchtungen sehr gut. Nun geht es ihr nicht so besonders, aber sie weiss, es wird vergehen. Doch wenn es ihr nicht so gut geht, hat sie natürlich mehr Angst, dass vielleicht doch nicht alles gut werden wird.

Sie möchte eigentlich einfach nur nach Hause, denn in der Reha gefällt es ihr immer weniger. An den Ärzten und Schwestern liegt es nicht, auch die Einrichtung sei sehr schön, aber sie hatte es sich anders vorgestellt. Sie ist froh, wenn sie endlich entlassen wird.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Tag einundsechzig

Heute hat Vater Geburtstag und war den ganzen Tag bei Mutter und es gab Kuchen und Pralinen und es geht ihr immer noch gut. Die Ärzte sind ganz angetan, dass sie die Chemo so gut verträgt. Sie ist auch sehr froh, denn sie hatte so eine Furcht vor Schmerzen.

Allwahrscheinlich kommt sie am 18. Dezember nach Hause. Auch darüber ist sie sehr froh.

Montag, 10. Dezember 2007

Tag sechzig

Mutter ist richtiggehend fröhlich, sie hat die Chemo so gut vertragen, die Ärztin hat sie über alles gelobt, wie gut sie doch mitmacht bei der Behandlung und dass sie sich keine Sorgen mache, das werde sie schon schaffen, alle sind guten Mutes.

Heute ist wieder ein Krimitag, sie liegt schon im Bett und wird sich nun alles anschauen, was nach Krimi aussieht. Und morgen früh, da geht sie ganz alleine schwimmen. Das Schwimmbad wird extra für sie und nur für alleine geöffnet.

Es geht ihr wirklich besser.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Tag neunundfünfzig

Morgen beginnt nun die zweite Chemo, sie ist recht zuversichtlich, es geht ihr auch ganz gut. Am meisten regt sie sich darüber auf, dass so viele alte Leute dort so hilflos sind. Und die Organisation dort, die läßt ihrer Meinung nach sehr zu wünschen übrig.

Aber es geht ihr nun doch langsam besser. Sie ist wirklich zuversichtlich.

Samstag, 8. Dezember 2007

Tag achtundfünfzig

Mutter geht es wieder gut genug, um die nächste Chemo zu starten. Anfang der Woche bekommt sie also die zweite Behandlung. Das sei wichtig, damit der Abstand nicht zu gross wird, sonst wirkt das nicht. Aber mittlerweile hat sie sich auch mental etwas erholt. Nur ihr schlechtes Aussehen und der kahlgeschorene Kopf jagen ihr noch selber einen Schrecken ein. Ihre Stimme hört sich dennoch recht gut an am Telefon und man kann sich gar nicht vorstellen, dass sie doch so krank ist.

Wenn das ganze nur nicht so lange dauern würde. Bis alle Behandlungen beendet sein werden, wird es fast schon wieder Sommer sein. Ein langer Weg mit Bangen und Hoffen.

Freitag, 7. Dezember 2007

Tag siebenundfünfzig

Mutter scheint sich ein wenig mehr eingelebt zu haben in der Reha. Sie hilft immer den älteren Patienten im Rollstuhl aus dem Fahrstuhl oder an ihre Essenstische. Doch angeblich solle sie das nicht tun, weil wenn etwas dabei passiert, dann könnte sie die Schuld dafür bekommen. Das kann sie nun gar nicht verstehen, weil sie doch so gerne hilft und bei dem Personalmangel auch bei solchen einfachen Dingen helfen könnte. Ausserdem scheint es sie auch aufzubauen, wenn sie sich ein wenig nützlich machen kann. So gibt es immer was zu erzählen und sie kann ihre eigene Krankheit gedanklich etwas in den Hintergrund schieben.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Tag sechsundfünfzig

Mutter ist hundemüde, sie hatte heute viele Anwendungen, sie ist von einer zur anderen gerannt, so kam es ihr vor. Jetzt liegt sie im Bett und ruht sich aus. Aber es geht ihr ein wenig besser. Gestern war sie bei einem Vortrag über die Entstehung von Krebs, der ihr sehr gut gefallen hat. Und heute kamen die "Neuen", es war ein Gewusel und sie hat geholfen. Sie gehört schon fast zum Personal!

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Tag fünfundfünfzig

Heute geht alles wieder ein wenig besser. Die Monstergefühle sind verblasst. Außerdem hat man ihr mitgeteilt, dass sie bis zum 18. Dezember bleiben muss. Tief atmend hat Mutter es akzeptiert.

Heute hat sie den Schwestern einen Kuchen geschenkt, weil sie so lieb waren, als sie fast durchdrehte nach dem Frisörbesuch.

Und jetzt geht sie einen Cappuchino trinken, weil sie keine Lust mehr hat alleine auf dem Zimmer zu sein.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Tag vierundfünfzig

Mutter war beim Frisör und hat sich alle Haare, die noch da waren, abrasieren lassen. Und war völlig entsetzt über sich selber und total am Ende und ließ sich kaum noch beruhigen. Sie schluchzte in einer Tour und nun geht es ihr langsam besser.

Und sie sieht so gut aus mit den "neuen" Haaren. Das findet sie ja auch selber, aber als die Haare dann ab waren, da war es dann doch ein Schock.

Montag, 3. Dezember 2007

Tag dreiundfünfzig

Heute ist kein schöner Tag, Mutter geht es nicht gut. Ihre Blutwerte sind im Keller und so wie es aussieht, kann die 2. Chemo erstmal nicht stattfinden. Sie ist niedergeschlagen. Sie will nach Hause. Sie hat massive Kreislaufprobleme. Heute hat sie hyperventiliert und ist umgekippt.

Ihr fällt alles so schwer. Und es ist auch schwer. Furchtbar schwer.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Tag zweiundfünfzig

Mutter hat eine furchtbare Erkältung, sie liegt im Bett und kann nix dagegen tun. Und langsam fallen ihr die Haare aus. Sie trägt schon die schöne Perücke, die sieht so gut aus, dass sie heute Morgen am Frühstückstisch gefragt worden ist, warum sie sich ihre Haare gefärbt hätte!

Doch sonst geht es ihr nicht grad gut. Nächste Woche kommt die zweite Chemo, sie fürchtet sich davor. Und sie fürchtet sich vor der Strahlentherapie. Und sie hofft, dass sie all das durchsteht.

Samstag, 1. Dezember 2007

Tag einundfünfzig

Mutters Handytelefonrechnung ist gekommen und sie ist sehr hoch. Ein paar längere Gespräche mit meiner Schwester im Ausland kosten doch mehr als erwartet. Mit dem zimmertelefon in der Reha und im Krankenhaus kann man nicht ins Ausland anrufen. In der Reha kann man sogar noch nicht mal vom Ausland angerufen werden. Also bleibt nur das Handy. Vielleicht noch billiger als Tickets, aber auf die Dauer zu teuer. Doch die Gespräche mit der Familie sind so wichtig und im Moment das Einzige, was Mutter aufrecht erhält. Besonders, wenn die Familie nicht die Möglichkeit hat, sie regelmäßig zu besuchen. Mutter fühlt sich nähmlich oft so alleine. Kontakt zu anderen Patienten mag sie nicht pflegen. Das ist ihr alles zu viel.

Wenn sie alleine ist hat sie auch mehr Zeit zum Grübeln. Aber Ablenkung wäre viel besser.

Freitag, 30. November 2007

Tag fünfzig

Heute geht es wieder so einigermaßen, Mutter sagt, sie muss sich damit abfinden, dass es an einem Tag gut ist, am nächsten schlecht. Es ist einfach so. Sie ist nun in ihrem Zimmer und guckt Ski, das gefällt ihr sehr. Dann fühlt sie sich fast wohl. Nur Essen kann sie immer noch nicht richtig, es will einfach nichts hinein. Eine Scheibe Brot und dann kann sie schon nicht mehr.

Aber jetzt guckt sie erstmal Skirennen. Das lenkt ab und tut ihr gut.

Donnerstag, 29. November 2007

Tag neunundvierzig

Heute geht es Mutter wieder etwas besser, die Nebenwirkungen der Chemo haben ein wenig nachgelassen. Es ist ein ständiges auf und ab. Und nun bleibt sie doch länger in der Reha, weil es so zu Hause ohne sofortige ärztliche Hilfe wirklich keinen Sinn hat, das hat sie jetzt akzeptiert.

Heute ist wieder Krimitag. Ihr Zimmer gefällt ihr gut, sie liegt im Bett und schaut fern. Ein wenig Ablenkung. Denn die Gedanken an den Krebs kommen ja nun immer wieder. Aber sie kann schon Scherze darüber machen.

Ihren Humor hat sie nicht verloren.

Mittwoch, 28. November 2007

Tag achtundvierzig

Das Warten auf den nächsten Chemotermin ist nicht leicht. Mutter sagt immer wieder, daß jetzt die nächste Chemo los ginge, die ein "härterer Hammer" werden soll. Auch wenn sie noch ein paar Tage Zeit hat, scheint die Wartezeit und die Angst vor schlimmeren Nebenwirkungen viel Kraft zu kosten und der Psyche ziemlich zuzusetzen.

Mein Vater fährt sie jeden zweiten Tag in der Reha besuchen und wir Kinder rufen sie jeden Tag an und reden lange mit ihr. Dann erzählt sie alles was passiert ist bis ins kleinste Detail. Erfahrungen teilen und reden sind jetzt so wichtig. Das Gefühl nicht alleine gelassen zu werden macht ihr Mut. Wir wollen hoffen, daß der reicht für die kommende Chemo.

Dienstag, 27. November 2007

Tag siebenundvierzig

Heute hatte Mutter ihren ersten Schwächeanfall, bedingt durch die Chemo, wie ihr die Ärztin sagte. Aber es geht ihr wieder gut, sie ist in ihrem schönen Zimmer und guckt fern. Und träumt davon, endlich nach Hause zu können, oder aber in das Krankenhaus in Salzwedel, dort hat es ihr viel viel besser gefallen. Aber es läßt sich aushalten, vor allem, wo sie so sehr umsorgt wird. Das tut ihrer Seele gut.

Montag, 26. November 2007

Tag sechsundvierzig

Mutter denkt schon an das Ende der Reha. Am 11.12. soll sie entlassen werden, wenn es ihr denn dann gut geht, dann am 7.12. ist die nächste Chemo. Sie ist aber sehr zuversichtlich, doch das werden wir sehen. Denn wer weiss, was noch alles kommt.

Jedenfalls hört sie sich wirklich irgendwie gut an.

Sonntag, 25. November 2007

Tag fünfundvierzig

Es ist Wochenende und Anwendungspause, aber es werden verschiedene Aktivitäten in der Reha angeboten, wie zum Beispiel Basteln. Aber als professionelle Berufsbastlerin ist das natürlich nicht anspruchsvoll genug für Mutter. Früher hätte sie dort das Ruder übernommen und alle Teilnehmer mit ihrer Kreativität verzaubert. Heute ist ihr das zu viel. Sie möchte eigentlich nur ihre Ruhe haben und sich zurückziehen, so oft es geht. Doch das geht nicht immer. Zum Glück, denn sich verkriechen ist bei Krebs keine gute Idee, hat ihr der Arzt gesagt, auch wenn man sich oft danach fühlt.

Samstag, 24. November 2007

Tag vierundvierzig

Heute hat die Schwester zu Mutter gesagt, sie habe den Krebs wohl angenommen. Ja, meinte sie, das stimmt. Sie hat ihn angenommen. Nun kann sie kämpfen. Sie hörte sich auch richtig gut an, irgendwie. Nun wirklich nicht fröhlich und glücklich, aber gut. Die Reha tut ihr doch gut. Sie sagt es selber. So sehr sie auch Anfangs gehadert hat, jetzt geht es ihr dort gut.

Das Essen ist abwechslungsreich und auf Krebspatienten abgestellt. Kein Schweinefleisch als Beispiel. Viel Gemüse. Viel Obst. Mutter gefällt es. Die Ernährungsberaterin gibt sich mit ihr solche Mühe, stellt ihr immer was zusammen. So liebevoll. "Ich werde hier richtiggehend verwöhnt!" sagte sie mir eben am Telefon.

Wie schön. Mutter, das hast Du auch verdient!!

Freitag, 23. November 2007

Tag dreiundvierzig

Mutter geht es zunehmend besser, sie fühlt sich wohl in ihrem Zimmer dort. Es ist ihr zwar alles zu viel Hektik und zu viel Stress und ständig diese Anwendungen, eine nach der anderen und man weiß gar nicht, wie man das alles unter einen Hut kriegen soll. Aber es tut ihr doch irgendwo gut.

Und die Schlacht am kalten Buffet, die lässt sich auch langsam ertragen.

Donnerstag, 22. November 2007

Tag zweiundvierzig

Mutter sagte heute, sie sei endlich psychisch besser drauf. Endlich. Als habe man sie aus einem Loch befreit. Vieles da in der Reha gefalle ihr nicht, aber sie müsse es ja mitmachen, sonst kriege die Krankenkasse Bescheid und abbrechen könne sie das auch nicht und irgendwie sei das alles nix für sie aber es gehe ihr trotzdem besser.

Sogar das Essen schmeckt.

Mittwoch, 21. November 2007

Tag einundvierzig

Es geht Mutter etwas besser, sie hat die doppelte Dosis von einem Medikament bekommen, was ihr den Schwindel nimmt, und sie hat sich ein wenig mit den Umständen dort versöhnt. Aber die Schlacht am Buffet, die dort jeden Tag dreimal statt findet, die findet sie so gräßlich wie zuvor.

Ihr gefällt das alles nicht. Dort gefällt es ihr nicht. Das Krankenhaus war schöner. Viel schöner. Wenn, dann möchte sie lieber ins Krankenhaus.

Diese Reha jedenfalls ist nicht ihr Ding.

Dienstag, 20. November 2007

Tag vierzig

Mutter ist in der Reha. Sie ist unglücklich. Es gefällt ihr gar nicht. So viele Menschen, und am Buffet schlagen sie sich ums Essen. Das ist nicht das, was sie sich vorgestellt hat. Am Tisch sitzt sie mit drei alten Frauen, die nur über Krankheiten reden.

Sie will dort weg. Eigentlich will sie dort nur weg.

Montag, 19. November 2007

Tag neununddreißig

Mutter geht es etwas besser. Sie hat immer noch Knochenschmerzen, aber es läßt sich aushalten. Sie ist auch nicht mehr so schlecht drauf, gestern war sie ja in einem tiefen dunklen Loch. Heute nicht mehr so.

Morgen geht es in die chemobegleitende Reha. Sie ist guter Dinge, hat schon die Koffer und Taschen gepackt, ihre wunderschöne Perücke kommt natürlich auch mit. Und eine Badekappe hat sie sich gekauft, weil dort ein Schwimmbad ist. Sie geht doch so gerne Schwimmen.

Ach und ihr Blut wurde untersucht, sie musste extra ins Krankenhaus. Die Leukozyten oder wie die Dinger heißen sind in Ordnung. Das muss jeden Tag kontrolliert werden.

Es ist schon viel, sehr viel, was sie jetzt alles auszuhalten hat.

Sonntag, 18. November 2007

Tag achtunddreißig

Mutter geht es sehr schlecht. Übel ist ihr immer noch nicht, aber sie fühlt sich elend wie noch nie in ihrem Leben. Kann nichts mehr essen, nur noch liegen, mag nicht Fernseh gucken, nicht lesen, nix, einfach nur liegen. Der Körper schmerzt, der Kopf dröhnt. Sie will nicht in die Reha, sie will nirgendwo hin. Sie will ihre Ruhe haben, aber die hat sie nicht.

Da ist der Krebs, der ihr die Ruhe nimmt.

Samstag, 17. November 2007

Tag siebenunddreißig

Die erste Nacht hat Mutter ohne Nebenwirkungen überstanden. Heute Morgen fingen dann aber die Knochenschmerzen an, wogegen sie aber Schmerztabletten bekommen hat. Sie mußte aber nicht brechen, keine Übelkeit, nur Rückenschmerzen. Auch ist ihr noch kein Haarbüschel ausgefallen. Das sei ein gutes Zeichen hätten die Ärzte gesagt.

Jetzt packt sie schon mal die Koffer für die Reha Klinik. In drei Tagen geht es dorthin und dort bekommt sie erst die nächste Chemo. Manchmal zeigt sie wieder etwas Kraft zum Kämpfen, wir wünschen es ihr so sehr.

Freitag, 16. November 2007

Tag sechsunddreißig

Heute war Mutters erste Chemobehandlung, ambulant. Noch hat sie keine Nebenwirkungen, die können aber schon bald kommen. Das Wichtigste ist aber erst einmal, daß sie ziemlich guter Dinge ist. Mutter war erleichtert, daß die Behandlung in einem gemütlichen Raum stattfindet auf bequemen Sesseln mit Fußstützen, Fernseher und genug Zeitschriften zum Lesen. Sie fühlte sich sehr nett umsorgt und den Umständen entsprechend gut. Hoffentlich werden die Nebenwirkungen nicht so schlimm, zumindest beim ersten Mal. Jede Komplikation zieht sie leider sehr runter. Wenn aber alles klappt, dann fühlt sie sich so viel besser. Also wieder Daumen drücken und beten.

Donnerstag, 15. November 2007

Tag fünfunddreißig

Mutter war im Perrückenladen, um sich schon mal ein schönes Model anfertigen zu lassen. Sie war erstaunt wie toll diese doch aussehen und wie praktisch die heutzutage sind. Sie will vorbereitet sein. So gut es eben geht. Auch wenn sie sich zumindest über dieses Thema ziemlich gefasst anhört, es bleibt ein auf und ab, seelisch wie körperlich. Die Chemo fängt möglicherweise schon heute an, ansonsten morgen. Dann muss man abwarten, wie Mutter die verträgt.

Mittwoch, 14. November 2007

Tag vierunddreißig

Mutter ist leider wieder sehr niedergeschlagen. Eigentlich war alles ganz ok. Sie war mit meiner Schwester in der Bestrahlungsklinik zur Vorbesprechung. Nach der Chemo kommt die Bestrahlung. Dafür muß sie nach dem Reha Aufenthalt 33 Tage hintereinander jeden Tag in diese Klinik fahren. Meine Schwester hat alles für sie aufgeschrieben, den Papierkram für sie erledigt. Danach waren beide sogar noch einen Kaffee trinken.

Doch jede Vorbesprechung birgt auch neue, angstmachende Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Zu Hause fing dann das Grübeln wieder an und in der Nacht überkam Mutter wieder das Elend. Alle Behandlungen bedeuten, Mutter muss sich jeden Tag aufraffen und weiter kämpfen. Doch sie zweifelt, daß sie noch die Kraft dazu hat. Ihr Leben lang mußte sie kämpfen. Jetzt mit 70 ist sie müde, erschöpft und würde sich lieber einfach nur in ihren Sessel vor dem Fernseher zurückziehen. Es ist alles so schwer.

Dienstag, 13. November 2007

Tag dreiunddreißig

Mutter muß doch erst am Freitag zur ersten Chemo. Die vielen Termine und Untersuchungen bringen sie meist sehr durcheinander. Heute mußte sie noch mal zu einer weiteren Untersuchung nach Stendal. Da war sie schon einmal und es hat ihr gar nicht gefallen. Sie mußte dort so lange warten bis sie dran kam und die Krankenschwestern seien so unfreundlich zu ihr gewesen. Daraufhin hat sie mit ihrem Arzt gesprochen, der sich wohl auch selbst von den negativen Umständen dort überzeugt hat. Eigentlich hat er ihr danach versprochen, nicht mehr dorthin zu müssen, aber gewisse Untersuchungen kann man eben nur in bestimmten Kliniken machen. Diesmal muß sie aber nicht alleine hingehen, meine Schwester ist ja bei ihr.

Es ist ein schwerer und ermüdender Weg. Aber immerhin gibt es Hoffnung.

Montag, 12. November 2007

Tag zweiunddreißig

Noch drei Tage bis zum Chemotherapiebeginn und man hört meiner Mutter sehr deutlich an, daß sie große Angst davor hat. Natürlich kennt sie die möglichen Nebenwirkungen. Allein das Wenige, was sie darüber weiß, reicht dafür schon aus. Sie denkt anscheinend an nichts anderes mehr. Zum Glück ist meine Schwester bei ihr, damit sie jemanden hat, mit dem sie über ihre Ängste reden kann. Von Vater würde sie nicht die nötige Unterstützung bekommen, damit wäre er völlig überfordert.

Sie hat auch schon eine Perrücke bei der Kankenkasse beantragt. Sie erzählte mir, daß der Sachbearbeiter dort gesagt hätte, man solle das so früh wie möglich machen. Die Angst vor dem, was da noch so alles kommen mag, scheint im Moment die schlimmste Angst zu sein.

Sonntag, 11. November 2007

Tag einunddreißig

Mutter hat zum ersten Mal ihre Krebsschwester angerufen, weil sie immer noch Schmerzen in der Achselhöhle hat, an der Seite, wo der Port eingesetzt wurde. Die konnte sie auch ziemlich schnell wieder aufmuntern. Sie sei so nett und freundlich gewesen. Das tat Muttern richtig gut. Eine Krebsschwester ist eine Beratungs- und Beistandshilfe für die Krebspatientin, die sie jeder Zeit anrufen kann, rund um die Uhr. Ihre Krebsschwester hat ihr dann auch gesagt, daß die Schmerzen nicht ungewöhnlich seien und sie keine Angst deswegen zu haben brauche. Ein kurzes aufmunterndes Gespräch kann so viel ausmachen. Reden ist so wichtig. Das ist auch im Moment das Einzige, was sie tun kann, außer hoffen und beten.

Ausserdem ist meine Schwester ab heute für ein paar Tage bei ihr. Zum Mut machen, einfach nur zusammen sein, und vorallem kann sie unsere Mutter zu ihrer allerersten Chemo begleiten. Hoffentlich gibt ihr das etwas mehr Kraft.

Samstag, 10. November 2007

Tag dreißig

Es ist ein auf und ab. Aber eigentlich geht es Mutter recht gut. Oder sagen wir einigermaßen gut. Immerhin. Nicht ganz schlecht. Morgen fährt meine Schwester hin, dann hat sie ein wenig Ablenkung und Zuwendung. Das braucht sie auch, genauso wie Vater. Denn es ist eine schwere Zeit.

Eine wirklich schwere Zeit.

Freitag, 9. November 2007

Tag neunundzwanzig

Es geht wieder besser. Sie waren im Krankenhaus und nun wird die Chemo erstmal für eine Woche verschoben und beginnt auch mit einer Kanüle im Arm, weil die Stelle um den Port noch zu entzündet ist. Raus muss er nicht, nur die Entzündung muss weg. Und die Aussage stümperhafte Arbeit bezog sich auf den Verband, auf diese Entzündung hätte niemals so ein Verband gedurft, weil dadurch wurde es noch schlimmer.

Jedenfalls muss sie jetzt erst wieder nächsten Donnertag hin und kann sich ausruhen nach all den Strapazen.

Donnerstag, 8. November 2007

Tag achtundzwanzig

Mutter ist am Ende, war vor lauter Schmerzen beim Hausarzt, die Stelle um den Port hat sich entzündet, der Hausarzt sei völlig entsetzt gewesen, so eine stümperhafte Arbeit habe er noch nie gesehen.

Nun wartet sie auf den Anruf aus dem Krankenhaus, wahrscheinlich muss der Port wieder raus.

Mittwoch, 7. November 2007

Tag siebenundzwanzig

Heute war das Knochensowieso, Mutter ist wieder besser drauf. Ich rief sie gestern abend noch mal an, da war sie kämpferisch, sie lässt sich das jetzt nicht mehr gefallen, also solche Schmerzen, nein, nicht mit ihr. Diese Wut hat sie ein wenig gerettet, sie kam heute von der Untersuchung zurück und hörte sich eigentlich richtig gut an.

Nun beginnt die Chemo.

Dienstag, 6. November 2007

Tag sechsundzwanzig

Mutter ist völlig am Ende. Das Einsetzen des Ports war die Hölle, sie hat starke Schmerzen, kann sich kaum bewegen, alles war und ist furchtbar und sie weiß, dass sie da durch muss aber es ist so grausam alles, diese Schmerzen, sie will einfach nicht mehr, sie ist total am Boden zerstört.

Heute Nachmittag Zahnarzt, wieder bewegen, anziehen, Schmerzen aushalten, denn die Schulter schmerzt, morgen in die Röhre, all diese Termine, ihr ist das alles zu viel, ihr ist einfach alles zu viel.

Und die Chemo hat noch gar nicht angefangen.

Montag, 5. November 2007

Tag fünfundzwanzig

Mutter ist den ganzen Tag in der Klinik, kriegt diesen Port gelegt. Vater erledigt Schriftkram für die Versicherung, das Krankenhaus, den Arzt, das Taxiunternehmen, jeder sagt ihm was anders, man schickt ihn von hott nach hüh und er war eben am Telefon recht verzweifelt.

Schriftkram war noch nie sein Ding und nun hängt alles an ihm.

Sonntag, 4. November 2007

Tag vierundzwanzig

Mutter hat sich in ihr Bett zurückgezogen. Hat sich verkrochen. Will nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Vor ihr liegt ein so schwerer Weg, ein so hoher Berg, den sie noch besteigen muss. Nächste Woche geht es los.

Sie braucht jetzt alle Kraft zum kämpfen.

Samstag, 3. November 2007

Tag dreiundzwanzig

Mutter ist sehr niedergeschlagen. Der Weg, der vor ihr liegt, sie geht ihn so ungerne. Und lauter Gedanken an Früher kommen hoch. Ob sich das alles gelohnt habe, wofür sie kämpfe, wie es ihr gehen wird, was alles noch zu erwarten ist.

Ich lasse sie reden, texte sie nicht zu mit irgendwelchen guten Ratschlägen, ich höre mir ihre Sorgen an und versuche ihr Hoffnung zu machen. So gut wie es geht.

Sie will nicht in die Reha, sie will zu Hause bleiben. Vater ist verzweifelt, er sähe sie lieber gut aufgehoben in einer Klinik, traut sich das zu Hause nicht zu.

Sie haben es derzeit wahrlich nicht leicht.

Freitag, 2. November 2007

Tag zweiundzwanzig

Mutter ist nun zu Hause. Sie ist sehr niedergeschlagen. Und unendlich müde. Alles ist ihr zu viel, sie möchte sich am liebsten verkriechen. Montag bekommt sie dieses Ding in den Hals hineinoperiert. Dann muss sie noch zum Zahnarzt, weil während der Chemo kann was mit den Zähnen sein, sie wusste nicht mehr was, nur dass Zahnstein weggemacht werden muss und eben alles in Ordnung sein muss.

Sie hört sich so erschöpft an.

Donnerstag, 1. November 2007

Tag einundzwanzig

Nein, nicht heute sondern Montag wird dieses Ding eingepflanzt. Heute war das Gespräch mit dem Chefarzt. Es sieht nicht gut aus. Gar nicht gut. Vater hat mit ihm noch alleine reden können und gesagt, er solle bitte ehrlich sein, wie die Chancen stünden. 50:50 hat er gesagt. Sie muss jetzt in die Reha, dort wird man die Chemo machen. Sollten sich Metastasen in den Knochen befinden, dann wird alles umgeschmissen.

Was soll ich sonst noch sagen. Nichts. Wir hoffen.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Tag zwanzig

Der Chefarzt ist aus dem Urlaub zurück. Jetzt wird einiges anders gemacht, oder Mutter kann ihm besser folgen, was auch immer, sie wird entlassen. Vielleicht sogar diese Woche schon. Morgen wird dieses Ding in ihre Schulter operiert, über das die Chemo gemacht wird. Wenn alles gut geht, ist sie bald zu Hause und wird dann mit dem Taxi jedesmal zur Chemo gefahren. Ob sie Bestrahlung bekommt konnte sie mir nicht mehr sagen.

Wenn sie alles richtig verstanden hat, dann hat der Chefarzt zu ihr gesagt, er mache sie wieder heile. Und selbst wenn sie es nur so verstanden hat, es geht ihr jedenfalls viel viel besser, sie ist sehr zuversichtlich.

Und das alleine zählt erstmal. Mutter braucht Kraft und Zuversicht um das alles durchzustehen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Tag neunzehn

Mutter ist durcheinander. Sie braucht eine Überweisung und nun hat ihr Hausarzt gesagt, das ginge so nicht, und obwohl Vater sich drum kümmert, ist sie aufgeregt. "Ich schnackel das nicht mehr", sagte sie mir eben am Telefon. Es überfordert sie. Morgen bekommt sie irgendwas wegen der Chemo eingepflanzt, eine Kanüle, ein Gefächer, auch das wusste sie nicht mehr. Es ist ja auch völlig egal. Sie hat sich eh entschlossen, den Ärzten blind zu vertrauen, also spielt es keine Rolle, wie sie was nennen.

Die Chemo und die Bestrahlung werden sehr hart, so sagte sie es mir, so habe ihr es der Arzt erklärt. Es werde die vermutlich schwerste Zeit ihres Lebens.

Donnerstag soll es los gehen.

Montag, 29. Oktober 2007

Tag achtzehn

Mutter hat ein starkes Herz. Man hat es heute untersucht. Sei war so froh. Nun steht der Chemo nichts mehr im Wege. In der kommenden Woche wollen sie beginnen, einen Tag Chemo (über Kanüle) einen Tag Bestrahlung im Wechsel. Ich finde, das hört sich unglaublich hart an. Sie ist bisher noch frohen Mutes.

Und wir hoffen alle, dass es nicht so schlimm wird wie wir insgeheim befürchten.

Bestrahlung und Chemo. Sie muss aber noch im Krankenhaus bleiben, hatte je erst gehofft, man kann es ambulant machen. Vielleicht später, wir werden sehen.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Tag siebzehn

Es ist Sonntag, d.h. keine Untersuchungen, keine Ergebnisse, Ruhe vor allem. Eine Bekannte aus dem Internet, die eine ebensolche Erfahrung hinter sich hat mit ihrer Mutter, spricht uns immer so lieben Mut zu. Von ihr habe ich viele Informationen, sie ist wie ein Strohhalm. Sie hilft mir sehr. Von ihr weiß ich, was Mutter noch alles an Untersuchungen zu erwarten hat, denn Mutter bringt so viel durcheinander. Was wohl verständlich ist in ihrem Zustand.

Mutter und ich gucken immer Krimis, sie dort oben, ich hier unten. Und dann erzählen wir uns über die Krimis. Das ist schön. Das lenkt sie ab. Heute abend gucken wir Tatort und dann den Krimi im ZDF mit der Helen Mirren, oder wie die heißt, die jetzt auch den Oscar bekommen hat für ihre Darstellung der Queen. Von dem Krimi wusste Mutter noch nichts, den schaut sie sich jetzt auch an. Der Abend ist also gerettet.

Ansonsten warten wir nun auf die nächsten Untersuchungen und was diese bringen.

One step on the way oder wie das heißt. Schritt für Schritt. Und dann immer weiter sehen.

Aber es ist sehr belastend. Es ist einfach so. Alles wird in Frage gestellt, einfach alles. Und vieles, was vorher so wichtig war, wird auf einmal so furchtbar unwichtig.

One step on the way.

Samstag, 27. Oktober 2007

Tag sechzehn

Heute hörte sich Mutter doch schon wieder etwas besser an. Eine Chefärztin war bei ihr und sprach noch mal mit ihr, ja, es sehe nicht sonderlich gut aus, aber es gäbe viele Therapien und nun müssten sie die finden, die bei ihr wirke.

Sie hat Gott sei Dank keine Probleme mit dem Schlaf. Sie schläft gut und erholsam. Wenigstens das. Allerdings wachte sie heute Nacht um vier auf und da kam das ganze Elend über sie. Sie war so alleine, sagte sie mir, aber sie müsse ja auch alleine da durch.

Heute Abend wollen wir Bella Block gucken, denn die lieben wir beide. Sie dort oben im Norden, ich hier unten.

Mir ist so schwer ums Herz.

Freitag, 26. Oktober 2007

Tag fünfzehn

Leider keine gute Nachrichten. Mutters Krebs hat schon lange gewirkt und ihre Lymphdrüsen sind befallen. Jetzt kommt es auf die Chemo an. Die wird sehr heftig sein. Und wir hoffen, sie hält das auch durch.

Mehr kann ich grad nicht schreiben.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Tag vierzehn

Mutter klingt wieder wie neu!! Wunderbar!! Sie ist richtig aufgeräumt, hat keine Schmerzen, die OP ist gut verlaufen, die Schwestern sind alle so nett, der Arzt so geduldig, es geht ihr offensichtlich gut dort in der Klinik.

Das genaue Ergebnis bekommt sie nicht vor heute Nachmittag. Also ob sie nochmal operiert werden muss. Ich weiss auch nicht, ob alles so in der Reihenfolge stimmt, wie sie es sagt, sie ist immer noch ein wenig durcheinander.

Aber sie hört sich gut an. Mutter, die erste schwere Hürde ist genommen!!

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Tag dreizehn

Mutter hat die OP überstanden, mehr weiß ich noch nicht. Sie sieht elendig aus, sagt mein Vater, aber das soll wohl. Eine Vollnarkose ist nicht von Pappe. Jedenfalls hat sie alles soweit gut überstanden, morgen wird Vater mehr erfahren. Dann geht es ihr wohl auch wieder besser.

Anrufen kann ich nicht, sie kann noch nicht telefonieren.

Meine arme Mutter!

Dienstag, 23. Oktober 2007

Tag zwölf

Kommando zurück, morgen wird Mutter operiert, sie hat alles durcheinander gewürfelt, doch egal, es geht nun seinen Gang. Den Krebsgang.
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Heute Morgen hat Vater Mutter also in die Klinik gebracht. Sei sei arg durcheinander gewesen meinte er. Aber sie habe ein sehr schönes Zimmer, Einzelzimmer, die Telefonnummer könne er mir leider nicht sagen, da sie in der Aufregung keinen Stift gefunden hätten um sie aufzuschreiben.

Von da aus wurde sie jedenfalls in eine Spezialpraxis gefahren, mit dem Taxi, wo man ihr blaues Zeug spritzte. Und dann mit dem Taxi zurück und zur OP. Das wird wohl gleich der Fall sein.

Meine arme Mutter.

Es könne lange dauern, bis er anriefe, sagte Vater. Denn vor fünf Uhr brauche er nicht in der Klinik sein.

Montag, 22. Oktober 2007

Tag elf

So, Mutter wird morgen operiert. Erst kommt sie in eine Klinik in Stade, dort wird ihr diese blaue Flüssigkeit gespritzt, dann mit dem Taxi zurück in ihre Klinik und ab in den OP. Und dort entscheidet sich dann so einiges.

Sie ist müde, durchaus gefasst, aber ihr ist kalt und sie ist müde. Und wir hoffen alle, dass es wieder gut wird. Wir hoffen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Tag zehn

Mutter ist sehr aufgeräumt. Sie weiß jetzt, was auf sie zukommt, was sie eventuell zu erwarten hat und das beruhigt sie doch sehr. Wir haben lange telefoniert, ich höre ihr nur zu, meine Schwester macht es genauso, das tut ihr gut. Ich glaube, das ist auch das einzige, was, wenn überhaupt, helfen kann.

Nun warten wir einfach ab, was die ganzen Untersuchungen ergeben und dann wird sie operiert. Sogar Vater gibt sich alle Mühe, der ja sonst ein rechter Haudegen ist. Er putzt jetzt sogar das ganze Haus nach Mutters Anweisungen, staubsaugen und sowas alles. Nur staubwischen nicht, weil da verteilt er bloß den Staub ;-))

Wir sind ganz vorsichtig zuversichtlich. Ganz vorsichtig, aber doch.

Samstag, 20. Oktober 2007

Tag neun

Es kehrt wieder so etwas wie Normalität ein. Mutter weiß jetzt, wann was gemacht wird und warum und wir sind alle irgendwie gelöster. An ihr wird eine neue Behandlungsmethode durchgeführt, die 5 Jahre an der Klinik getestet wurde und seit Anfang des Jahres regulär angeboten werden darf. Das ist erstmal ohne Chemo. Geht nicht bei allen Krebsarten, bei Mutter anscheinend doch. Hört sich gut an.

Wir werden sehen, jetzt erstmal ein ruhiges Wochenende.

Freitag, 19. Oktober 2007

Tag acht

Mutter ist vom Kliniktermin zurück. Das Ergebnis der Stanzbiopsie war wie vermutet, dann wurde ihr erklärt, was nun wann gemacht wird und ihr wurde Mut gemacht. Nach allem, was der Arzt bisher beurteilen könne, sehe es nicht schlecht aus. Also sie könne den Krebs durchaus besiegen.

Wieviele Tagebucheinträge muss ich noch machen, bis wir an diesem Ziel angekommen sind?

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Tag sieben

Das Ergebnis der Stanzbiopsie ist da. Mutter hat es telefonisch erfahren. Sie soll morgen um 9 Uhr vorbeikommen. Sie soll ihren Ehemann mitbringen. Mehr wollte der Arzt nicht sagen. Was hat das nun zu bedeuten?

Wir machen uns verrückt. Zu Recht?

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Tag sechs

Diese Ungewissheit ist fürchterlich. Nein, wir wissen, dass es Krebs ist, aber was genau, welche Behandlung, wie, wann, womit, welcher Weg, wie schlimm, was genau... alle diese Fragen. Mutter ist auch ziemlich down. Sie wartet zu Hause auf den Anruf, der ihr den nächsten Termin mitteilt. Auf dem wird dann die weitere Vorgehensweise besprochen.

Sie hat mit allem gerechnet, aber damit nicht. Nicht mehr mit 70.

Aber das war dem Krebs egal.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Tag fünf

Nicht Montag, sondern Donnerstag ist der nächste Termin im Krebszentrum, wo das weitere Vorgehen besprochen wird. Sie solle sich sofort einer Selbsthilfegruppe anschließen. Ich habe ihr zwei Telefonnummern besorgt. Reden sei so wichtig, meinte ihr Arzt, mit Betroffenen reden.

Ich hoffe, sie ruft da auch an.

Sie hörte sich heute durchmischt an, mal gut, mal nicht so gut.

Der kommende Weg werde jetzt schwer werden, er sei fest vorgegeben und da müsse sie durch, so sagte man ihr in der Klinik. Es sei aber ein gangbarer Weg.

Als sie mir das erzählte, hörte sie sich schon besser an. Gangbarer Weg.

Dann werden wir ihn nun gehen, jeder auf seine Art.

Mutter, ich wünsche Dir Glück!!

Montag, 15. Oktober 2007

Tag vier

Mutter hat die Untersuchung hinter sich und ist wieder niedergeschlagen. Sie sagt ständig, es sehe schlecht aus. Dabei sagt ihr das keiner. Es ist wie ein Mantra. Ein Katastrophenmantra. Ihr Katastrophenmantra. Ich versuche sie aufzurichten so gut es geht, Vater gibt sich auch alle Mühe.

Nun ist dieser Tag geschafft. Jetzt ist erstmal ein paar Tage Ruhe, am kommenden Montag wird die weitere Vorgehensweise besprochen.

Es belastet uns alle sehr.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Tag drei

Unser Thema heute: Stanzbiopsie, d.h. mit einem Stanzgerät wird unter Ultraschallsicht eine Stanz-Nadel mit hoher Geschwindigkeit durch den Tumor "geschossen". Durch die hohe Geschwindigkeit kann kein Schmerz entstehen. Belastung durch die Untersuchung: Schmerzen geringer als bei Blutentnahme aus der Vene.

Mutter ging es nicht gut, morgen soll diese Untersuchung gemacht werden und das Wort "Stanz" hat sie verrückt gemacht. Ich bin dann ins Internet und habe genaue Berichte gefunden. Und ihr vorgelesen. Da fiel laut hörbar vom Wendland bis ins Neanderthal ein Stein von ihrem Herzen und sie konnte wieder lachen. Ich habe sie beruhigt, habe ihr immer und immer wieder die Berichte vorgelesen und es ging ihr zunehmend besser.

Jetzt hat sie keineAngst mehr vor Morgen. Das ist wichtig, sehr wichtig, weil es ihr doch sehr zu schaffen machte, das stanzen ;-))

Samstag, 13. Oktober 2007

Tag zwei

Ernährungsumstellung. Milchprodukte sind Gift, also gibt es ab heute keine solchen Sachen mehr. Mutter ist konsequent. Und beim Frisör, sie will ordentlich ins Krankenhaus. Jetzt wird gekämpft! Mutter, Du hast zwei Kinder auf die Welt gebracht, dann wirst Du doch diesen verdammten Krebs in seine Schranken weisen!



Dort gibt es einige interessante Informationen, ich düse auch gleich ins Reformhaus, Käse, Yoghurt, Quark, Milch gehören auch für mich ab heute der Geschichte an.

Ohne Mutters Erkrankung wäre ich da nicht drauf gekommen.

Freitag, 12. Oktober 2007

Tag eins

Mutter hat Krebs. Gestern erfahren. Schlimm. 70 Jahre und Krebs. Brustkrebs. Wie kann das kommen? Sie ist fertig, Mamographie und eindeutig. Montag dann mehr. Dann sehen wir weiter.