Mittwoch, 31. Oktober 2007

Tag zwanzig

Der Chefarzt ist aus dem Urlaub zurück. Jetzt wird einiges anders gemacht, oder Mutter kann ihm besser folgen, was auch immer, sie wird entlassen. Vielleicht sogar diese Woche schon. Morgen wird dieses Ding in ihre Schulter operiert, über das die Chemo gemacht wird. Wenn alles gut geht, ist sie bald zu Hause und wird dann mit dem Taxi jedesmal zur Chemo gefahren. Ob sie Bestrahlung bekommt konnte sie mir nicht mehr sagen.

Wenn sie alles richtig verstanden hat, dann hat der Chefarzt zu ihr gesagt, er mache sie wieder heile. Und selbst wenn sie es nur so verstanden hat, es geht ihr jedenfalls viel viel besser, sie ist sehr zuversichtlich.

Und das alleine zählt erstmal. Mutter braucht Kraft und Zuversicht um das alles durchzustehen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Tag neunzehn

Mutter ist durcheinander. Sie braucht eine Überweisung und nun hat ihr Hausarzt gesagt, das ginge so nicht, und obwohl Vater sich drum kümmert, ist sie aufgeregt. "Ich schnackel das nicht mehr", sagte sie mir eben am Telefon. Es überfordert sie. Morgen bekommt sie irgendwas wegen der Chemo eingepflanzt, eine Kanüle, ein Gefächer, auch das wusste sie nicht mehr. Es ist ja auch völlig egal. Sie hat sich eh entschlossen, den Ärzten blind zu vertrauen, also spielt es keine Rolle, wie sie was nennen.

Die Chemo und die Bestrahlung werden sehr hart, so sagte sie es mir, so habe ihr es der Arzt erklärt. Es werde die vermutlich schwerste Zeit ihres Lebens.

Donnerstag soll es los gehen.

Montag, 29. Oktober 2007

Tag achtzehn

Mutter hat ein starkes Herz. Man hat es heute untersucht. Sei war so froh. Nun steht der Chemo nichts mehr im Wege. In der kommenden Woche wollen sie beginnen, einen Tag Chemo (über Kanüle) einen Tag Bestrahlung im Wechsel. Ich finde, das hört sich unglaublich hart an. Sie ist bisher noch frohen Mutes.

Und wir hoffen alle, dass es nicht so schlimm wird wie wir insgeheim befürchten.

Bestrahlung und Chemo. Sie muss aber noch im Krankenhaus bleiben, hatte je erst gehofft, man kann es ambulant machen. Vielleicht später, wir werden sehen.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Tag siebzehn

Es ist Sonntag, d.h. keine Untersuchungen, keine Ergebnisse, Ruhe vor allem. Eine Bekannte aus dem Internet, die eine ebensolche Erfahrung hinter sich hat mit ihrer Mutter, spricht uns immer so lieben Mut zu. Von ihr habe ich viele Informationen, sie ist wie ein Strohhalm. Sie hilft mir sehr. Von ihr weiß ich, was Mutter noch alles an Untersuchungen zu erwarten hat, denn Mutter bringt so viel durcheinander. Was wohl verständlich ist in ihrem Zustand.

Mutter und ich gucken immer Krimis, sie dort oben, ich hier unten. Und dann erzählen wir uns über die Krimis. Das ist schön. Das lenkt sie ab. Heute abend gucken wir Tatort und dann den Krimi im ZDF mit der Helen Mirren, oder wie die heißt, die jetzt auch den Oscar bekommen hat für ihre Darstellung der Queen. Von dem Krimi wusste Mutter noch nichts, den schaut sie sich jetzt auch an. Der Abend ist also gerettet.

Ansonsten warten wir nun auf die nächsten Untersuchungen und was diese bringen.

One step on the way oder wie das heißt. Schritt für Schritt. Und dann immer weiter sehen.

Aber es ist sehr belastend. Es ist einfach so. Alles wird in Frage gestellt, einfach alles. Und vieles, was vorher so wichtig war, wird auf einmal so furchtbar unwichtig.

One step on the way.

Samstag, 27. Oktober 2007

Tag sechzehn

Heute hörte sich Mutter doch schon wieder etwas besser an. Eine Chefärztin war bei ihr und sprach noch mal mit ihr, ja, es sehe nicht sonderlich gut aus, aber es gäbe viele Therapien und nun müssten sie die finden, die bei ihr wirke.

Sie hat Gott sei Dank keine Probleme mit dem Schlaf. Sie schläft gut und erholsam. Wenigstens das. Allerdings wachte sie heute Nacht um vier auf und da kam das ganze Elend über sie. Sie war so alleine, sagte sie mir, aber sie müsse ja auch alleine da durch.

Heute Abend wollen wir Bella Block gucken, denn die lieben wir beide. Sie dort oben im Norden, ich hier unten.

Mir ist so schwer ums Herz.

Freitag, 26. Oktober 2007

Tag fünfzehn

Leider keine gute Nachrichten. Mutters Krebs hat schon lange gewirkt und ihre Lymphdrüsen sind befallen. Jetzt kommt es auf die Chemo an. Die wird sehr heftig sein. Und wir hoffen, sie hält das auch durch.

Mehr kann ich grad nicht schreiben.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Tag vierzehn

Mutter klingt wieder wie neu!! Wunderbar!! Sie ist richtig aufgeräumt, hat keine Schmerzen, die OP ist gut verlaufen, die Schwestern sind alle so nett, der Arzt so geduldig, es geht ihr offensichtlich gut dort in der Klinik.

Das genaue Ergebnis bekommt sie nicht vor heute Nachmittag. Also ob sie nochmal operiert werden muss. Ich weiss auch nicht, ob alles so in der Reihenfolge stimmt, wie sie es sagt, sie ist immer noch ein wenig durcheinander.

Aber sie hört sich gut an. Mutter, die erste schwere Hürde ist genommen!!

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Tag dreizehn

Mutter hat die OP überstanden, mehr weiß ich noch nicht. Sie sieht elendig aus, sagt mein Vater, aber das soll wohl. Eine Vollnarkose ist nicht von Pappe. Jedenfalls hat sie alles soweit gut überstanden, morgen wird Vater mehr erfahren. Dann geht es ihr wohl auch wieder besser.

Anrufen kann ich nicht, sie kann noch nicht telefonieren.

Meine arme Mutter!

Dienstag, 23. Oktober 2007

Tag zwölf

Kommando zurück, morgen wird Mutter operiert, sie hat alles durcheinander gewürfelt, doch egal, es geht nun seinen Gang. Den Krebsgang.
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Heute Morgen hat Vater Mutter also in die Klinik gebracht. Sei sei arg durcheinander gewesen meinte er. Aber sie habe ein sehr schönes Zimmer, Einzelzimmer, die Telefonnummer könne er mir leider nicht sagen, da sie in der Aufregung keinen Stift gefunden hätten um sie aufzuschreiben.

Von da aus wurde sie jedenfalls in eine Spezialpraxis gefahren, mit dem Taxi, wo man ihr blaues Zeug spritzte. Und dann mit dem Taxi zurück und zur OP. Das wird wohl gleich der Fall sein.

Meine arme Mutter.

Es könne lange dauern, bis er anriefe, sagte Vater. Denn vor fünf Uhr brauche er nicht in der Klinik sein.

Montag, 22. Oktober 2007

Tag elf

So, Mutter wird morgen operiert. Erst kommt sie in eine Klinik in Stade, dort wird ihr diese blaue Flüssigkeit gespritzt, dann mit dem Taxi zurück in ihre Klinik und ab in den OP. Und dort entscheidet sich dann so einiges.

Sie ist müde, durchaus gefasst, aber ihr ist kalt und sie ist müde. Und wir hoffen alle, dass es wieder gut wird. Wir hoffen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Tag zehn

Mutter ist sehr aufgeräumt. Sie weiß jetzt, was auf sie zukommt, was sie eventuell zu erwarten hat und das beruhigt sie doch sehr. Wir haben lange telefoniert, ich höre ihr nur zu, meine Schwester macht es genauso, das tut ihr gut. Ich glaube, das ist auch das einzige, was, wenn überhaupt, helfen kann.

Nun warten wir einfach ab, was die ganzen Untersuchungen ergeben und dann wird sie operiert. Sogar Vater gibt sich alle Mühe, der ja sonst ein rechter Haudegen ist. Er putzt jetzt sogar das ganze Haus nach Mutters Anweisungen, staubsaugen und sowas alles. Nur staubwischen nicht, weil da verteilt er bloß den Staub ;-))

Wir sind ganz vorsichtig zuversichtlich. Ganz vorsichtig, aber doch.

Samstag, 20. Oktober 2007

Tag neun

Es kehrt wieder so etwas wie Normalität ein. Mutter weiß jetzt, wann was gemacht wird und warum und wir sind alle irgendwie gelöster. An ihr wird eine neue Behandlungsmethode durchgeführt, die 5 Jahre an der Klinik getestet wurde und seit Anfang des Jahres regulär angeboten werden darf. Das ist erstmal ohne Chemo. Geht nicht bei allen Krebsarten, bei Mutter anscheinend doch. Hört sich gut an.

Wir werden sehen, jetzt erstmal ein ruhiges Wochenende.

Freitag, 19. Oktober 2007

Tag acht

Mutter ist vom Kliniktermin zurück. Das Ergebnis der Stanzbiopsie war wie vermutet, dann wurde ihr erklärt, was nun wann gemacht wird und ihr wurde Mut gemacht. Nach allem, was der Arzt bisher beurteilen könne, sehe es nicht schlecht aus. Also sie könne den Krebs durchaus besiegen.

Wieviele Tagebucheinträge muss ich noch machen, bis wir an diesem Ziel angekommen sind?

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Tag sieben

Das Ergebnis der Stanzbiopsie ist da. Mutter hat es telefonisch erfahren. Sie soll morgen um 9 Uhr vorbeikommen. Sie soll ihren Ehemann mitbringen. Mehr wollte der Arzt nicht sagen. Was hat das nun zu bedeuten?

Wir machen uns verrückt. Zu Recht?

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Tag sechs

Diese Ungewissheit ist fürchterlich. Nein, wir wissen, dass es Krebs ist, aber was genau, welche Behandlung, wie, wann, womit, welcher Weg, wie schlimm, was genau... alle diese Fragen. Mutter ist auch ziemlich down. Sie wartet zu Hause auf den Anruf, der ihr den nächsten Termin mitteilt. Auf dem wird dann die weitere Vorgehensweise besprochen.

Sie hat mit allem gerechnet, aber damit nicht. Nicht mehr mit 70.

Aber das war dem Krebs egal.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Tag fünf

Nicht Montag, sondern Donnerstag ist der nächste Termin im Krebszentrum, wo das weitere Vorgehen besprochen wird. Sie solle sich sofort einer Selbsthilfegruppe anschließen. Ich habe ihr zwei Telefonnummern besorgt. Reden sei so wichtig, meinte ihr Arzt, mit Betroffenen reden.

Ich hoffe, sie ruft da auch an.

Sie hörte sich heute durchmischt an, mal gut, mal nicht so gut.

Der kommende Weg werde jetzt schwer werden, er sei fest vorgegeben und da müsse sie durch, so sagte man ihr in der Klinik. Es sei aber ein gangbarer Weg.

Als sie mir das erzählte, hörte sie sich schon besser an. Gangbarer Weg.

Dann werden wir ihn nun gehen, jeder auf seine Art.

Mutter, ich wünsche Dir Glück!!

Montag, 15. Oktober 2007

Tag vier

Mutter hat die Untersuchung hinter sich und ist wieder niedergeschlagen. Sie sagt ständig, es sehe schlecht aus. Dabei sagt ihr das keiner. Es ist wie ein Mantra. Ein Katastrophenmantra. Ihr Katastrophenmantra. Ich versuche sie aufzurichten so gut es geht, Vater gibt sich auch alle Mühe.

Nun ist dieser Tag geschafft. Jetzt ist erstmal ein paar Tage Ruhe, am kommenden Montag wird die weitere Vorgehensweise besprochen.

Es belastet uns alle sehr.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Tag drei

Unser Thema heute: Stanzbiopsie, d.h. mit einem Stanzgerät wird unter Ultraschallsicht eine Stanz-Nadel mit hoher Geschwindigkeit durch den Tumor "geschossen". Durch die hohe Geschwindigkeit kann kein Schmerz entstehen. Belastung durch die Untersuchung: Schmerzen geringer als bei Blutentnahme aus der Vene.

Mutter ging es nicht gut, morgen soll diese Untersuchung gemacht werden und das Wort "Stanz" hat sie verrückt gemacht. Ich bin dann ins Internet und habe genaue Berichte gefunden. Und ihr vorgelesen. Da fiel laut hörbar vom Wendland bis ins Neanderthal ein Stein von ihrem Herzen und sie konnte wieder lachen. Ich habe sie beruhigt, habe ihr immer und immer wieder die Berichte vorgelesen und es ging ihr zunehmend besser.

Jetzt hat sie keineAngst mehr vor Morgen. Das ist wichtig, sehr wichtig, weil es ihr doch sehr zu schaffen machte, das stanzen ;-))

Samstag, 13. Oktober 2007

Tag zwei

Ernährungsumstellung. Milchprodukte sind Gift, also gibt es ab heute keine solchen Sachen mehr. Mutter ist konsequent. Und beim Frisör, sie will ordentlich ins Krankenhaus. Jetzt wird gekämpft! Mutter, Du hast zwei Kinder auf die Welt gebracht, dann wirst Du doch diesen verdammten Krebs in seine Schranken weisen!



Dort gibt es einige interessante Informationen, ich düse auch gleich ins Reformhaus, Käse, Yoghurt, Quark, Milch gehören auch für mich ab heute der Geschichte an.

Ohne Mutters Erkrankung wäre ich da nicht drauf gekommen.

Freitag, 12. Oktober 2007

Tag eins

Mutter hat Krebs. Gestern erfahren. Schlimm. 70 Jahre und Krebs. Brustkrebs. Wie kann das kommen? Sie ist fertig, Mamographie und eindeutig. Montag dann mehr. Dann sehen wir weiter.