Donnerstag, 23. Dezember 2010

Geschenke einpacken

Mutter findet den Baum wunderschön, den hat ihr Enkel geschmückt. Darunter liegen viele Geschenke, auch von Mutter, die sie aber nicht mehr einpacken konnte, denn sie weiß nicht mehr, wie das geht. Auch vergisst sie immer wieder, was sie wem schenkt. Dann wird sie ganz unruhig, weil sie doch noch Geschenke kaufen muss. Aber wir erklären es ihr immer wieder geduldig, es geht halt nicht anders. Sie hat halt Alzheimer und daran wird sich nichts mehr ändern.

Aber der Baum, der gefällt ihr wirklich gut!

Montag, 13. Dezember 2010

die Angehörigen

Mutter geht es reichlich bescheiden. Und Vater ist sehr bedrückt. Jetzt ist so ein Scheidepunkt erreicht, wo Mutter klar wird, dass sie nicht mehr "normal" funktioniert. Und wo Vater einsehen muss, dass es eben so ist. Für Angehörige ist es nicht weniger schlimm, was da passiert.

Ich war heute in einer Trauergruppe der evangelischen Kirche, mein Mann ist gestorben und ich muss mich damit auseinander setzen. Es waren viele Menschen da, die ihren Liebsten, ihre Liebste verloren haben, auch nach langer schwerer Krankheit. Eine Frau hat ihren Mann 30 Jahre gepflegt. Unglaubliche 30 Jahre, mehr als ein halbes Leben.

Immer da sein für den anderen, immer sorgen für ihn. So, wie mein Vater jetzt für Mutter da ist. Er, der nicht mal wusste, wie man Wasser heiß macht, kann jetzt kochen. Kümmert sich um alles, kümmert sich um Mutter und erträgt klaglos ihre Demenz und was an Aggression dazu gehört. Nicht seine, ihre. Er erträgt das alles.

Mehr als 50 Jahre sind sie nun verheiratet und es kommt die schwerste Zeit ihres gemeinsamen Lebens.

Ich ziehe den Hut vor solch einem Opfer. Für das Gemeinsame, was schrecklich enden kann. Leben ist eben viel mehr als nur die "Rama-Reklame", die uns vorgaukelt, wie schön doch alles ist.

Zusammen leben heißt leider auch oft, zusammen leiden.

Sich schon zu Lebzeiten von dem Ehepartner verabschieden müssen ist mit Sicherheit eine der schwersten Prüfungen, die uns auferlegt werden können.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Verzweifelung

Heute telefonierte ich mit meiner völlig aufgelösten Mutter. Ihr wird langsam klar, dass sie immer weniger kann und immer weniger weiß. "Morgens werde ich wach", erzählte sie mir furchtbar weinend, "und dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin!" Ich versuchte sie so gut es ging zu beruhigen, aber das ist ja nun ein nahezu sinnloses Unterfangen. Weil es nunmal nichts zu beruhigen gibt. Es wird immer schlimmer werden, so ist es einfach. Natürlich sagte ich ihr das nicht, aber so wird es kommen. Ihr Arzt hat uns darauf schon ziemlich schonungslos vorbereitet. Er hat selber seine Mutter mit Alzheimer verloren, sein Vater ist darüber zerbrochen, weil er sich damit nicht abfinden konnte. Er wollte partout seine Frau nicht in ein Pflegeheim geben, selbst als es fast nicht mehr ging. Darüber wurde er so krank, dass er kurz vor seiner Frau an Herzversagen starb.

Zum Glück ist da mein Vater realistischer, zumal ganz nahe bei ein gutes Altenheim ist, die auch eine Pflegestation für Alzheimerpatienten haben. Dort lag auch seine Schwester, meinte Tante, die er täglich sogar mehrmals besuchte. Es ist echt nicht weit, vielleicht ein Kilometer, mehr nicht.

Man könnte meinen, das ist noch Zukunftsmusik, doch der Arzt sagte uns, das kann schneller kommen, als wir es vagen zu denken. Nach seiner Einschätzung erkennt sie in ca. drei Jahren keinen mehr von uns, so weit ist die Erkrankung schon fortgeschritten, es gehe jetzt sehr schnell, wie er meinte.

Darum kommt meine Schwester zu Weihnachten aus dem fernen Orient angereist, wir fahren zu den Eltern, denn wer weiß, wie lange wir noch mit Mutter Weihnachten feiern können.

Samstag, 27. November 2010

Weihnachtsvorbereitungen

Mutter hat Vorfreude, zu Weihnachten kommen beide Töchter und zwei Enkel, das wird schön! Sie freut sich wirklich sehr. Und nun nimmt sie auch wieder alle ihre Tabletten, nachbarschaftliche Vorträge haben sehr dabei geholfen. Sie ist auch oft gut drauf, fühlt sich wohl und genießt die Stunden vor dem Fernseher, auch wenn sie den Filmen nicht immer folgen kann. Dann ist sie wieder völlig durcheinander und erzählt Geschichten, die vielleicht tief aus ihrer Vergangenheit kommen, verknüpft mit Ereignissen von heute, was alles besonders wirr macht.

Aber so ist es nunmal. Solange es ihr nur gut geht sind wir zufrieden.

Dienstag, 2. November 2010

der Herr Alzheimer

Mutter frisch vom Frisör. Manchmal geht es ihr richtig gut. Und oft eben sehr schlecht. Sie begreift immer mehr, dass sie dement wird, Alzheimher hat, auch wenn sie es so nicht weiß. Sie weint viel, ist oft sehr verzweifelt, begreift ihr Leben nicht mehr und den Alltag sowieso nicht. Sie weigert sich, ihre Tabletten zu nehmen, die doch so wichtig sind. Aber sie will nicht. Auch mit tausend Tricks gelingt es uns nicht, sie dazu zu überreden.

Sie lebt in einer ganz anderen Welt. Erzählt Dinge, die nicht mehr aktuell sind, die nicht mehr stimmen, die aber für sie Realität sind.

In ihrem Kopf sind Dinge, die für sie wahr sind, die für alle anderen aber nicht mehr stimmen. Es ist so schwer. Für sie und für alle anderen.

Montag, 25. Oktober 2010

Mutter bekommt Besuch

Mutter geht es seit Tagen etwas besser. Und nun kommt noch ihre Tochter zu Besuch, was sie besonders freut. Dann kann sie Weihnachtsgeschenke einkaufen gehen, was ihr derzeit sehr am Herzen liegt. Immer wieder macht sie Listen, wem sie was schenken will, das nimmt mitunter ihren ganzen Tag ein. Aber bald hat sie Hilfe, dann wird alles leichter für sie.

Dienstag, 19. Oktober 2010

derzeit geht es

Mutter ist derzeit ganz gut drauf. Es ist immer ein auf und ab. Gestern hat sie wieder alle Krebsnachsorgeuntersuchungen erfolgreich "bestanden" und ist natürlich sehr erleichtert. Wir auch!!

Jetzt sortiert sie alte Sachen aus und füllt Kartons mit Dingen, die sie verschenken möchte. Vater hat ihr extra welche besorgt. Damit ist sie nun beschäftigt. Auch wenn man den Eindruck hat, sie fängt jeden Tag neu damit an, so tut es ihr doch offensichtlich gut.

Und erst den Beschenkten ;-))))))))

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Mutter ist oft verzweifelt

Mutter geht es im Grunde nicht schlecht, wenn da nur nicht dieses verdammte Alzheimer wäre. Manchmal ist sie gut drauf, oft aber eben nicht und diese Zeiten häufen sich. Ihr Zimmer wird immer durcheinanderer, sie kann keine Ordnung mehr halten, weil sie nicht mehr weiß, wie Ordnung geht. Darüber verzweifelt sie sehr. Dann weint sie viel und bringt noch mehr durcheinander.

Vater versucht sein bestes, aber es ist sehr schwer für ihn, für Mutter sowieso.

Alzheimer ist einfach nur furchtbar!

Montag, 27. September 2010

besser und schlechter

Mal geht es Mutter schlechter, mal besser. Heute konnte sie sogar wieder selber das Telefon bedienen und mich anrufen. Sie hörte sich gut an. Gestern dagegen hatte sie nur geweint und war ganz schlecht drauf. Es wechselt immer ab.

Letztens kam sie aus dem Badezimmer und weinte und fragte meinen Vater verzweifelt, was sie denn jetzt tun solle, ob sie sich anziehen müsse, sie wisse es einfach nicht mehr.

Alzheimer ist eine Scheißkrankheit.

Sonntag, 19. September 2010

im Wendland

Ich war bei Mutter im Wendland, es geht ihr im Grunde ganz gut, nur ist sie arg durcheinander und weint viel, weil sie merkt, dass sie arg durcheinander ist. Ich soll doch zu ihnen in die Nähe ziehen, sagt sie immer wieder, und es tut mir in der Seele weh, aber es ist nicht so einfach. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt hier und meine Arbeit und ohne Arbeit kein Geld und im Wendland gibt es keine Arbeit für mich.

Aber ich werde bald wieder Urlaub bei ihnen machen. Mutter braucht das einfach. Sie hat heute so geweint als ich gefahren bin. Sie tut mir wirklich sehr leid. Aber ich muss mein Leben ja auch leben und mein Mann ist vor zwei Wochen gestorben und ich weiß auch nicht, wo mir der Kopf steht.

Es ist eben alles nicht so einfach.

Dienstag, 14. September 2010

Mutter ist wieder zu Hause

Mutter ist zurück in Deutschland, es ist ihr im Wüstenstaat richtig gut gegangen, wenn sie auch oft arg durcheinander war. Aber sie konnte mal abschalten, sich bekümmern lassen und die Sonne genießen. Sie hat viele Stoffe für ihre Quilts gekauft, wenn sie die auch nicht mehr fertig bekommt, weil sie eigentlich gar nicht mehr weiß, wie es geht.

Montag, 6. September 2010

Mutter im Orient

Mutter erholt sich ganz gut, jedoch muss man sich mit ihr permanent beschäftigen. Weil sie nichts so richtig alleine kann, sie weiß einfach nicht mehr, wie es geht. Sie kann den Fernseher nicht einschalten, kann das Telefon nicht bedienen, sie braucht ständig Hilfe und das verzweifelt natürlich. Dann weint sie. Sobald man ihr hift ist wieder alles gut.

Sie möchte so gerne noch einige Quilts nähen, hat sich auch Stoff gekauft, aber es will ihr nicht gelingen. Geduldig macht sie alles wieder auf und beginnt von vorne.

Dienstag, 31. August 2010

Pflegestufe

Mutter erholt sich immer noch im Wüstenstaat. Es geht ihr recht gut, wenn sie auch oft verwirrt ist. Alleine mag sie gar nicht mehr sein, das verwirrt sie noch mehr. Ständig muss man sie beschäftigen und das Essen würde sie vergessen, stellte man ihr nichts hin. So geht es auch mit vielen anderen Dingen, sei es Zähne putzen oder duschen, sie vergisst diese Dinge einfach. Aber wenn man sie dran erinnert, dann kriegt sie es noch alleine hin.

Und Vater war bei der Krankenkasse, er beantragt jetzt eine Pflegestufe. Damit er sich Hilfe organisieren kann. Mutter bleibt ja gar nicht mehr alleine. Wenn er mit den Hunden raus muss, dann ist es ein Glücksspiel, ob sie es merkt oder nicht. Dann rennt sie suchend über die Straße, weil sie nicht mehr weiß, wo er abgeblieben ist.

Doch noch erholt sie sich ein wenig. Sie weiß wo sie ist, die großen Dinge überblickt sie noch, die Kleinigkeiten des Alltags gehen ihr langsam verloren.

Mittwoch, 18. August 2010

auf dem Weg nach Bahrain

Mutter ist gerade in Dubai, mit ihrer ältesten Enkelin auf dem Weg zu ihrer jüngsten Tochter. Alles hat bisher geklappt, obwohl sie arg durcheinander ist und sehr sehr müde. Aber die Enkeltochter, stolze Besitzerin eines deutschen Führerscheins, in Gartow gemacht, hat alles im Griff.

Es wird das letzte Mal sein, dass Mutter nach Bahrain fliegen kann. Sie wird immer weniger, immer vergesslicher und immer durcheinanderer.

Der Krebs schweigt nach wie vor, was ein gutes Zeichen ist, aber die Diagnose Alzheimer ist fast schlimmer.

Die Reise nach Bahrain stand lange in den Sternen, immer wieder, weil Mutter immer wieder kleine Dramen verursachte, den neuen Pass verlegte, nirgendwo war er zu finden, das Geld verlegte, alles musste suchen, doch zur Abreise war dann alles gefunden. Opa und der Enkeltochter sei Dank, die das ganze Haus mehrmals auf den Kopf stellten.

Sie kann nichts mehr alleine, immer muss jemand dabei sein. Und oft weint sie fürchterlich, weil sie das alles nicht versteht.

Aber jetzt stehen erstmal einige schöne Wochen in Bahrain bevor, wo sie sich um gar nichts kümmern muss, im Swimmingpool entspannen kann und ein Hausmädchen nur für sie da ist.

Freitag, 6. August 2010

Frühstück oder Abendessen

Heute Morgen kam Mutter runter und setzte sich zu Vater an den Frühstückstisch, dann schaute sie ihn nachdenklich an und meinte, er solle ihr bitte ehrlich sagen, was das nun sei, Frühstück oder Abendessen.

Vater kann es nicht mehr leugnen, und wenn es noch so schwer ist, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen ist nicht mehr möglich.

Aber vielleicht fliegt Mutter bald für einige Wochen zu ihrer Tochter in den Wüstenstaat. Dort fühlt sie sich wohl und kann sich ein wenig erholen.

Freitag, 30. Juli 2010

Mutter verzweifelt

Heute geht es Mutter gar nicht gut, sie ist sehr verzweifelt. Ihr tut ihre Brust weh, die Ärztin sagt, das sei normal, aber sie ist darüber heute furchtbar verzweifelt. Und weint die ganze Zeit, alles ist ihr zuviel. Zum Glück ist Sport im Fernsehen, das lenkt sie ein wenig ab.

Donnerstag, 22. Juli 2010

es geht so vor sich hin

Mutter ist traurig, dass ihre Enkeltochter nach Hause geflogen ist. Sie ist immer wieder arg durcheinander, aber ansonsten geht es ihr ganz gut. Sie freut sich an ihrem Garten, auch wenn sie nicht mehr viel selber machen kann.

Und sie will gar nicht so recht einsehen, dass sie nicht mehr selber Auto fahren soll. Sie versteht das einfach nicht. Sie hat doch so lange schon den Führerschein, aber fahren darf sie nicht mehr.

Es ist schwer, ihr das zu erklären. Könnte man es ihr erklären, wäre sie nicht dement. So macht es sie oft wütend, aber sie vergisst das gleich wieder.

Nur alleine bleiben kann sie nicht mehr. Nicht mal mehr für 10 Minuten, dann gerät sie ganz durcheinander.

Freitag, 9. Juli 2010

Es geht ganz gut

So, die Kinder sind alle wieder weg, Mutter geht es ganz gut. Vom Krebs ist nicht mehr viel zu spüren, sie geht regelmäßig zu den Untersuchungen und da ist immer alles in Ordnung. Einzig ihre fortschreitende Demenz macht Sorgen, sie kann gar nicht mehr alleine bleiben, weil sie sofort durcheinander kommt. Dann rennt sie verwirrt aus dem Haus, läuft auf der Straßer herum und weiß nicht mehr, wo sie ist. Also nimmt Vater sie jetzt überall mit hin, egal, wo er hinfahren muss. Das ist mitunter anstrengend, aber es geht nicht anders.

Heute hörte sie sich am Telefon ganz aufgeräumt an. Sie will jetzt den Garten "bepflanzen" und weil das ja alles so nicht mehr funktioniert, hat Vater ihr Blumensamen gekauft. Mit den Tütchen werkelt sie nun den ganzen Tag herum. Die Kinder haben ihr geholfen, Topfe mit Erde zu füllen. Und nun ist sie ganz ungeduldig, wann denn nun endlich die Blumen da raus kommen. Wenn man auf sie eingeht, ihr immer wieder alles erklärt und ihr Durcheinandersein gar nicht groß zur Kenntnis nimmt, dann geht es gut. Vater kann das nicht immer, was ja auch verständlich ist, wie soll das gehen, wenn man seine eigene Frau immer mehr verfallen sieht und dabei noch ruhig bleiben? Aber er wächst da hinein, was bleibt ihm auch anderes übrig.

Aber wenn es ihr so gut geht wie heute, wenn sie so aufgeräumt ist und voller Blumensamentatendrang, dann sind alle zufrieden. Klar werden auch wieder Rückschläge kommen, aber das ist einfach so. Es ist ein ständiges Auf und Ab mit permanenter Abwärtsbewegung. Wir Kinder mögen gar nicht daran denken, wenn mal die Tag/Nacht-Grenze aufgehoben ist, oder wie sich das nennt. Das alles wird kommen, der Arzt hat es uns erklärt. Aber noch ist es nicht so weit. Noch geht es ihr einigermaßen gut. Und so soll es möglichst noch ein Weilchen bleiben.

Mittwoch, 30. Juni 2010

es geht ihr besser: die Kinder sind da!!

Mutter hat Besuch bekommen, ihre Tochter aus dem Ausland mit allen Kindern, nun ist sie beschäftigt und abgelenkt und es geht ihr ganz gut. Zumal die Sonne scheint und sie sich wohl fühlt.

Mittwoch, 23. Juni 2010

es wird schlimmer

Mutter wird immer vergesslicher, von jetzt auf gleich vergisst sie alles. Dann geriet sie völlig aus der Fassung, als sie im Fernsehen den Bericht von der Hochzeit der schwedischen Prinzessin sah. Sie weinte bitterlich, weil Vater ihr nicht so ein schönes Hochzeitskleid gekauft hatte.

Es ist wirklich nicht leicht, weder für Mutter, noch für Vater.

Samstag, 19. Juni 2010

besser

Mutter geht es besser, sie hatte viele lichte Momente und ist natürlich verzweifelt, dass sie so durcheinander ist. Aber es geht ihr wirklich besser. Vielleicht greifen ja jetzt die Medikamente, die sie neu bekommen hat. Die Demenz wird sich nicht aufhalten lassen, aber es wird vielleicht einfacher werden und leichter für Mutter.

Sie kommt jedenfalls jetzt recht gut damit klar.

Freitag, 11. Juni 2010

Sonne und Regen

Mutter lebt in einem Wechselbad der Gefühle, oft geht es ihr gut und oft geht es ihr elendig. Weil sie nicht versteht, was mit ihr passiert und weil sie dann sehr verzweifelt ist und sich furchtbar alleine fühlt. Heute war wieder so ein Tag, wo sie merkte, was sie alles nicht mehr weiss und darüber war sie sehr sehr verzweifelt. Eine Stunde später sieht es dann schon wieder ganz anders aus und sie ist fröhlich. Aber leider ist das nicht von Dauer. Die Niedergeschlagenheit lauert an jeder Ecke.

Der Arzt hat Vater gesagt, sie dürfe nicht mehr Auto fahren, weniger weil sie es nicht mehr könne, Demente bauen sehr selten Unfälle, sondern weil sie, kaum dass sie losgefahren sei, nicht mehr weiss, wo sie hinwolle und vor allem, wie es wieder zurück gehe. Das kann sie gar nicht verstehen und ist dann wirklich sehr verzweifelt, kommt sich bevormundet vor, was sie ja definitiv auch wird. Aber die Gefahr ist einfach zu groß. Alleine einkaufen kann sie auch nicht mehr, weil sie mit Unmengen von Lebensmitteln wieder aus dem Geschäft kommt, weil sie vergessen hat, dass sie alles noch zu Hause hat. Geld kann sie auch keins mehr abheben, weil sie ständig Geld abhebt, bis ihr Konto leer ist und zu Hause versteckt sie das Geld und vergisst es dann. Und hebt neues ab und vergisst es... ein Teufelskreis, den sie nicht mehr versteht. Vater laviert sich so durch, mit Ausreden und Überreden, weil sie es nicht mehr versteht.

Er muss auch auf alle möglichen anderen Sachen aufpassen, weil sie alles versteckt, aber nicht mehr weiß, dass sie es versteckt hat. Seine Kontokarte, seinen und ihren Ausweis, alles, was sie so findet, wenn man nicht aufpasst, versteckt sie. Und erinnert sich im nächsten Augenblick nicht mehr daran und dann geht die Sucherei los und sie ist völlig verzweifelt, weil sie meint, man unterstelle ihr, sie habe die Sachen versteckt. Es ist wirklich ein Teufelskreis.

Mit dementen Menschen kann man nicht reden, man kann ihnen nicht erklären, was los ist, könnte man es, wären sie nicht dement. Manchmal, in lichten Augenblicken, sind Gespräche möglich. Aber das sind nur Augenblicke und dann ist auch das wieder vergessen und man sucht erneut das Portemonaie oder den Ausweis oder den Autoschlüssel oder...

Sie kann leider auch nicht mehr anrufen, weil sie auch da nicht mehr weiss, wie das geht. Selbst wenn man ihr die Nummer aufschreiben würde, wüsste sie nicht, wie sie wählen soll. Und wenn jemand anruft und sie ans Telefon geht, passiert es immer wieder (wenn sie an das Schnurlose dran geht), dass sie die falsche Taste drückt und dann ist das Gespräch weg und dann kann man so oft anrufen, wie man will, sie drückt immer wieder die falsche Taste... wenn Vater nicht grad zufällig in der Nähe ist, dann kann man mit ihr nicht sprechen. Weil sie einfach nicht mehr weiß, wie das mit dem Telefon geht.

Es ist traurig, sie ist oft sehr verzweifelt und Vater ist es auch. Wie lange das noch so geht wissen wir nicht. So lange, wie es eben geht. Ihr Hausarzt behandelt sie, aber Demenz ist ja nicht richtig zu behandeln. Sie ist einfach nur zu begleiten. So schwer es auch ist.

Und es ist schwer.

Freitag, 4. Juni 2010

es geht mehr recht als schlecht

Mutter geht es mehr recht als schlecht. Sie kämpft sich durch ihren dementen Alltag. Sie vergisst so viel, fragt, wo ihr Mann wohnt, wo ihre Kinder wohnen. Und machmal fragt sie auch, wo ihr Badezimmer ist.

Es ist nicht leicht für sie und für Vater erst Recht nicht. Aber sie kämpft. Sie war immer eine Kämpferin. Doch jetzt hat sie es wirklich nicht leicht.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Arztbrief

Heute war Panik angesagt. Bei Mutters Entlassung aus dem Krankenhaus bekam Vater einen Arztbrief mit, mit dem er schon beim Hausarzt war und der ihm schon alles erklärte. Körperlich kein Befund, alles ok, beginnende Demenz. Soweit so schlecht. Dann kam heute ein Brief vom Krankenhaus, adressiert an meine Mutter. Sie dachten, eine weitere Rechnung, Mutter ist ja privat versichert. Und sie macht den Brief auf, ist es der Arztbrief, an sie adressiert, aber mit der Anrede an ihren Hausarzt, also eine Kopie. Meine Eltern verstanden nichts, wussten auch nicht, dass es der Arztbrief ist, waren völlig verworren und lasen irgendwo auf den sechs Seiten "bösartige Neubildung der Brustdrüse als Anamnese". Meine Eltern können kein Latein, so war ihnen nicht klar, was das heißt. Mutter las nur "bösartig" und "Brustdrüse" und brach sofort in Tränen aus. Sie müsse jetzt sterben. Sie war völlig verzweifelt.

Sie konnten mich nicht erreichen, da ich in einer Besprechung war, so panikten sie sich also in die Höhe. Zwei Stunden später kam ich zurück ins Büro und sah schon auf meinen Handy und dem Bürotelefon eltiche Anrufe meiner Eltern. Also rief ich zurück. Einen aufgelösten Vater am Apparat, im Hintergrund eine weinende Mutter.

Bis sie dann fanden, was sie mir vorlesen wollten, bis ich es dann auflösen konnte, dass das der alte Befund ist, dass damit ihre vergangene Krankheit gemeint ist, das dauerte. Dann waren sie erleichtert, aber ich liess mir die Telefonnummer geben, es war das Sekretariat des Chefarztes. Und dann rief ich an. Und fragte, was das denn nun solle.

Das habe man mit der Patientin so vereinbart. Wie bitte? Sie geben dem Ehemann den Arztbrief mit und vereinbaren dann mit einer dementen Patientin, dass sie ihr das nochmal schicken? Und dann kams, ja man habe ja nicht gewusst, dass sie dement sei. Wie bitte? Blicken sie bitte auf Seite 6 auf Punkt 35, was steht da? Richtig, mittelschwere Demenz. Ja wer spinnt denn nun?

Ich bin dann ausgerastet, sie sollten doch bitte vorher denken, ich habe jetzt zwei völlig verzweifelte alte Leute in 460 Kilometer Entferunung und könne jetzt gucken, wie ich sie wieder auf den Boden der Tatsachen kriege.

Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort des Verständnisses. Das sei nunmal so.

Boah war ich geladen. Ich habe das schonmal erlebt, als Mutters Gallenblase platzte. Sie lag mit unbestimmten Bauchschmerzen im Krankenhaus, vor ca. einem Jahr, da war von Demenz noch nichts spürbar, jedenfalls nicht für uns. Sie hatte wie gewöhnlich ein Telefon auf dem Zimmer und Vater rief mehrmals am Tag an. Vor allem jeden morgen. In der zweiten Nacht dann platzte die Gallenblase und man musste sie notoperieren. Sie kam also auf die Intensivstaton. Und wie das in so Verwaltungen ist, hat man dann das Telefon abgeklemmt. Und nebenbei meinen Vater NICHT informiert.

So rief er wie gewohnt am morgen an, war nur eine Automatenstimmte die sagte, diese Nummer sei abgestellt. Er hat das immer wieder versucht, drei Stunden lang. Dann rief er mich an. Ich habe damals einen Fehler gemacht, ich hätte selber anrufen sollen, statt dessen sagte ich ihm, rufe doch die Zentrale an, vielleicht hat Mutter aus versehen wo drauf gedrückt und das Telefon funktioniert nicht mehr. Er rief also an. Und man sagte ihm dann, ja wissen sie nicht, dass sie notoperiert wurde, sie liegt auf der Intensivstation. Mehr wusste der Auskunftgebende aber leider auch nicht.

Dann hatte ich einen völlig aufgelösten Vater am Apparat, ich war grad mit den Hunden unterwegs. Er hat nur noch geheult, weil er seine Frau nicht erreichen konnte und keine Auskunft bekam und von den Worten Notoperation und Intensivstation nur noch Angst hatte. Ich habe dann mitten auf dem Feld dort angerufen (es war ein anderes Krankenhaus) und als die Sekretärin des Chefarztes mich fragte, was denn los sei, da brachen bei mir alle Dämme und ich habe nur noch geschrieen, ich habe mir selber zugeschaut, aber ich konnte mich nicht mehr bremsen. Die Frau konnte ja nix dafür, aber sie kriegte alles ab. Wie gehen sie mit alten Menschen um? Was muten sie älteren Ehepartnern zu? Was glauben sie, wie das bei einem über 70jährigen ankommt?

Sie hat aber sehr professionell reagiert, hat sich meine Nummer notiert, mir versichert, es werde in den nächsten 10 Minuten die Oberärztin anrufen, der Chefarzt sei im OP. So geschah es auch. Die Oberärztin rief an, entschuldigte sich für diesen Fauxpas und erklärte mir, was genau Sache ist und versicherte mir, sie werde sofort meinen Vater anrufen, es täte ihr alles furchbar leid, so sei es nicht richtig, es sei halt von der Verwaltung die Abschaltung angeordnet worden, weil das Telefon ja nicht mehr gebraucht werde, es sei aber keinem bewusst gewesen, was das zur Folge haben könne.

Dann rief sie Vater an, entschuldigte sich, erklärete alles und wenn mein Vater in den kommenden Tagen zu Besuch war, kam jedesmal ein weiterer Oberarzt und erklärte alles.

So geht es auch.

Fehler können, auch wenn sie noch so tragisch sind, leider immer passieren. Aber man muss es auch einsehen und entsprechend handeln. In der Klink in Salzwedel konnte man das, man sah den Fehler ein, redete darüber und wurde tätig. In dem Krankenhaus jetzt war das leider nicht möglich.

Schon als ich Mutter in die Klink brachte, war mir gleich klar, dass da einiges im Argen liegt. Ich wurde die Information, dass Mutter dement ist und man sie deshalb nicht alles fragen könne und damit rechnen müsse, dass ihre Antworten falsch seinen, einfach nicht los. Ich war ja am ersten Tag dabei, wo sie zum Untersuchungsmarathon geschickt wurde. Jedes Mal traf ich auf einen ahnungslosen Arzt. Also die Info wurde einfach nicht weiter gegeben. Am "lustigsten" war das bei der Ultraschalluntersuchung. Der Arzt offensichtlich auch wieder ahnungslos, fuhr mit dem Ultraschallgerät über den Bauch meiner Mutter. Ob sie noch eine Gallenblase hätte. Aber selbstverständlich sagte sie mit der ihr eigenen Vehemenz. Ich sah, wie der Arzt hektisch mit dem Gerät über ihren Bauch fuhr, er konnte ja nix finden, weil die Gallenblase nicht mehr da war. Sind sie sicher, frug er noch. Aber selbstverständlich junger Mann, sagte meine Mutte mit gewinnendem Lächeln.

Er fuhr immer hektischer mit dem Gerät über ihren Bauch. Dann schritt ich ein. Sehen sie die Narbe dort? Ja, äh... eben, das ist die OP-Narbe der Gallenblasenoperation, meine Mutter hat nämlich keine Gallenblase mehr. Und dann Mutter!! Wirklich nicht? Wo ist die denn? Mama, Du bist doch operiert worden. Ich? Wirklich? Ja Mama...

So ging das den ganzen Tag, bei jeder Untersuchung, ich bin dann zur Verwaltung gestapft und habe gefragt, was ich tun müsse, dass eine Information den Betreffenden erreiche, ohne dass ich ausraste...

Geholfen hat es, wie wir an der Zusendung des Arztbriefes sehen, nichts.

Der Chefarzt in der Klinik hier mag ja medizinisch gut sein, organisatorisch ist er eine Niete. Der Fisch beginnt am Kopp zu stinken. In Salzwedel hat man es verstanden, Fehler können wirklich überall passieren. Das ist einfach so. Aber der Wille, aus Fehlern zu lernen, ist leider nicht überall gleich.

Mutter ist ja in Salzwedel an ihrer krebskranken Brust operiert worden, dort wurde sie wirklich gut betreut. Von daher können wir Salzwedel echt empfehlen. Die können sogar aus Fehlern lernen.

Aber Mutter geht es wieder gut, ich habe alles lateinisch korrekt erklären können, sie sind beruhigt!!

Aber musst das sein?

Nein, es hätte vermieden werden können, wenn man ein wenig nachgedacht hätte und bereit wäre, aus Fehlern zu lernen.

Samstag, 22. Mai 2010

gar nicht gut

Mutter geht es gar nicht gut, sie ist so durcheinander und merkt es langsam selber. Sie fragt Vater, wo ihre Kinder wohnen und ihre Kinder, wo Vater denn wohnt. Und Vater hört sich so furchtbar traurig an.

Freitag, 21. Mai 2010

Mutter ist zu Hause

Mutter ist endlich wieder zu Hause in ihrem geliebten Häuschen und die Enkeltochter ist auch da! Der Bericht aus dem Krankenhaus ist beim Arzt und in der kommenden Woche erfahren sie dann mehr. Aber was schlimmes hat sie nicht, körperlich. Nur dass sie dement wird, das ist jetzt klar. Sie soll Medikamente bekommen, natürlich können die das nicht heilen, aber vielleicht ein wenig aufhalten, so dass sie mit Vater noch eine schöne Zeit hat.

Dienstag, 18. Mai 2010

Gute Nachrichten!!!!

Mutter wird morgen entlassen, sie hat nichts Besorgniserregendes, alles ist soweit ok, sie wird noch neurologisch untersucht und dann kann sie nach Hause!! Ihre Enkelin kommt morgen aus London, so ist also alles wieder soweit im Lot. Gott sei es gedankt!!

Samstag, 15. Mai 2010

Im Krankenhaus

Mutter liegt also im Krankenhaus und das macht sie sehr durcheinander, weil sie nicht mehr in ihrer gewohnten Umgebung ist. Und die braucht sie ja, um einigermaßen zurecht zu kommen. Darum ist sie auch oft sehr verzweifelt. Untersuchungsergebnisse gibt es noch nicht. Am Montag wird in Mutter hineingeschaut, dann wissen wir vielleicht mehr. Bis dahin muss Mutter es einfach aushalten, was ihr leider nicht immer leicht fällt, weil sie so wenig von dem versteht, was um sie rum geschieht.

Das Krankenhaus ist 30 Kilometer von Mutters zu Hause entfernt und so muss Vater also jeden Tag 30 Kilometer hin und wieder zurück fahren und kann darum nicht von morgens bis abends bei ihr sein. Was sie völlig verwirrt. Die Krankenschwestern haben leider auch nicht immer die Zeit, Mutter alles wieder und wieder zu erklären, obwohl sie sich viel Mühe gegeben. Aber die Zeit reicht halt nicht. Und dann ist sie verwirrt und vesteht nicht, warum Vater nicht da ist. Anrufen kann sie auch nicht, weil sie nicht mehr weiss, wie das geht. Die Schwestern wählen für sie, aber sie mag nicht immer nach ihnen rufen.

Nun hoffen wir, dass die Untersuchungsergebnisse nicht schlimm sind.

Dienstag, 11. Mai 2010

Lebensretterkohl

So hat sich Mutter ihren Geburtstag wohl nicht vorgestellt, mit dem Notarzt ins Krankenhaus gefahren zu werden. Und das, wo sie so durcheinander ist. Es fing mit Blumenkohl an, sie hatte sich so darauf gefreut, ich bereitete ihn ihr zu und sie genoss ihn mit Appetit. Und um 23 Uhr dann lag sie schreiend vor Leibschmerzen im Bett und ich rief die 112 an. Vater informiert, der mit seinen Kumpels weg war, ach das war kein schöner Abend. Sonntag morgen dann, Muttertag und Mutters Geburtstag, erstmal alle ab ins Krankenhaus zu Muttern. Mutter wechselweise gut oder mies drauf. Dann der Arzt, man habe was auf der Lunge festgestellt, besorgter Blick, und "bei der Vorgeschichte Ihrer Mutter..." und wir waren dann alle ziemlich fertig. Die beginnende Demenz, so meinte der Arzt auch noch, sei jedenfalls jetzt das geringste Problem. Mutter hat nicht allzuviel davon verstanden, aber die Sorge um sie waberte durch den Raum und dann fing sie an zu weinen, sie wolle doch noch ein wenig leben.

Im Bauch ist auch was nicht in Ordnung, also heute erstmal ab in die Röhre, dabei stelle sich heraus, das mit der Lunge sei nicht ganz so dramatisch und in den Bauch müssen man hineinschauen, da habe man nichts richtig sehen können.

Licht am Ende des Tunnels? Ich habe meinen Eltern jedenfalls Hoffnung gemacht, vielleicht wird ja auch alles gut und vielleicht war der Blumenkohl ja so eine Art Lebensretterkohl.

Was auch immer wird, viele gemeinsame Jahre werden sie wohl nicht mehr haben. Aber vielleicht noch schöne Jahre.

Wir hoffen es so sehr.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Verzweifelung

Morgen fahre ich zu  meinen Eltern, Vater hat ein Treffen mit seinen Kumpels, er fährt mit ihnen weg und ich passe auf Mutter auf. Ich wollte wissen, wie es ihr geht, so rief ich heute Vormittag an. Sie haben ein schnurloses Telefon. Wenn es in der Ladestation steht und ein Anruf kommt, dann brauchen sie es nur aus der Ladestation raus nehmen, dann haben sie das Gespräch gleich. Liegt es nicht in der Station, dann müssen sie auf einen Knopf drücken. Das versteht Mutter aber nicht mehr, sie drückt immer auf den Knopf. Wenn es in der Ladestation steht, klingelt es also, sie nimmt es raus und wenn sie dann auf den Knopf drückt, drückt sie das Gespräch damit weg. Ist Vater da, geht er hin und macht das dann. Ist er nicht da, kann man anrufen, so viel man will, wenn sie es immer wieder in die Ladestation stellt, drückt sie es dann weg. So hatte ich heute also etliche weggerückte Gespräche und dann immer sofort wieder angerufen in der Hoffnung, sie hat das Ding noch in der Hand. Nach x Mal anrufen hatte sie es dann noch in der Hand und also auf den Knopf gedrückt und ich hatte sie endlich am Apparat. Ich wusste, Vater kann nicht da sein, sonst würde das nur einmal passieren. Vater war einkaufen. Erfuhr ich dann später.

Ich hatte nämlich eine völlig aufgelöste Mutter am Apparat, sie verstehe nicht, wieso Vater schon gefahren sei, wo ich doch erst morgen käme und die Hunde würden ihr doch weglaufen und wieso er sie alleine lasse. Mama, dich lässt keiner alleine, Vater ist bestimmt einkaufen, er fährt doch erst Freitag, ich komme morgen und er fährt erst Freitag. Ja warum er ihr dass denn nicht gesagt habe und sie so im Ungewissen lasse... Mama, er hat es dir doch gesagt, er fährt Freitag und ich komme Donnerstag, einen Tag vorher. Ach so. Wann fährst du denn? Bin ich dann alleine? Nein Mama, du bist nicht alleine, ich fahre Dienstag und Vater kommt schon Montag. Ach so.

Vater war nur kurz einkaufen, manchmal geht das gut, oder meist geht das gut. Aber nicht immer. Mitnehmen kann er sie auch nicht, da sie den Einkaufswagen vollpackt, weil sie doch glaubt, nichts mehr im Haus zu haben. Das gibt dann immer Streit im Laden, weil die Kühltruhe voller Putenschnitzel ist und sie wieder 10 Stück einpackt. Oder 20. Er packt immer heimlich alles wieder raus, sie merkt das gar nicht, aber es ist eben sehr anstrengend, darum geht er lieber alleine einkaufen. Das dauert knapp eine halbe Stunde, das geht auch meist gut, aber eben nicht immer, dann ist sie völlig verzweifelt. Rennt ums Haus, manchmal in Schlafsachen, sucht ihn und findet ihn nicht. Dann kommt er und sieht sie schon umherirren.

Sie kann mich dann auch nicht anrufen, weil sie nicht mehr anrufen kann. Sie weiß nicht mehr, wie das geht. Also sie kann nicht mehr wählen.

Sie tut mir so leid, mein Vater tut mir so leid. Aber es ist, wie es ist. Es ist schrecklich, Demenz ist eine verdammt schreckliche Krankheit.

Samstag, 1. Mai 2010

Mutters Quilt

Mutter arbeitet nun seit einem halben Jahr an einem Quilt, der ihr nicht mehr gelingen will. Sie muss ihn dauernd auftrennen, weil es nicht mehr stimmt, was sie da macht. Das verwirrt sie sehr, denn quilten war bisher für sie so einfach. Sie kann es nicht mehr. Sie versteht aber nicht, warum sie es nicht mehr kann.

Nächste Woche fahre ich zu ihr, Vater will mit seinen Kumpels eine Tour machen und sie kann nicht mehr alleine bleiben.

Wir machen uns schöne Tage, sie freut sich schon sehr. Und bald kommt ihre Enkelin, auch darauf freut sie sich.

Und wir freuen uns mit ihr, kann sie doch immer weniger. Leider.

Freitag, 9. April 2010

Wenn ich einmal reich wär...

Heute saß Mutter ganz aufgelöst auf ihrem Bett, es fehle ein Sparbuch über hunderttausende von Euro, wo das denn sei!!

Ach wäre das schön!! So reich waren wir allerdings noch nie. Vater wird langsam immer klarer, wie durcheinander sie ist. Noch hat sie sich überzeugen lassen, dass das nicht stimme. Aber Vater hat schon Angst, wie es mal wird, wenn sie das nicht mehr einsieht.

Es ist wirklich nicht leicht. Für keinen. Auch für Mutter nicht.

Mittwoch, 24. März 2010

es geht derzeit gut

Mutter geht es derzeit gut, wenn sie auch oft merkt, dass sie vergesslicher wird und einiges nicht mehr kann, aber sie liebt ihre Quilts und damit ist sie tagein und tagaus beschäftigt und das ist wunderschön. So entstehen schöne Quilts und ihre Töchter provitieren davon, denn sie stauben das ein oder andere schöne Stück ab :-))

Sonntag, 14. März 2010

mal besser, mal schlechter

Manchmal ist Mutter ganz klar, dann wieder nicht. Kochen kann sie nicht mehr, das hat jetzt Vater übernommen, der sein Lebtag nicht gekocht hat. Es klappt trotzdem ganz gut und es schmeckt auch. Es schmeckt sogar Mutter ;-)

Freitag, 5. März 2010

katholisch

Heute fragte Mutter Vater doch glatt, ob er katholisch sei. Sie hat es einfach vergessen. Sie vergisst immer mehr. Doch manchmal geht es ihr auch gut und sie ist ganz klar. Leider kann sie nicht mehr kochen und Vater überlegt, wie er es hinkriegt, das Altenheim dort in der Nähe hat eine tolle Küche und man kann dort Essen bestellen, vielleicht ist das je eine Möglichkeit.

Samstag, 27. Februar 2010

Die Enkelin ist wieder fort

Mutter hatte schöne Tage mit ihrer jüngsten Enkeltochter. Sie hat sich sehr wohl gefühlt und sie haben auch einiges unternommen. Mutter kann leider nicht mehr allzu viel, aber das macht nichts. Enkel können damit sehr gut umgehen.

Donnerstag, 11. Februar 2010

aufblühen

Mutter hat Besuch von ihrer jüngsten Enkeltochter. Das tut ihr sehr gut. Sie blüht richtig auf. Sie vergisst immer mehr, aber dennoch blüht sie auf, das tut ihr gut, ein wenig Abwechselung. Was den Krebs anbelangt, geht es ihr gut. Da ist nichts mehr nachgekommen und sie ist wieder soweit gesundet. Sie geht immer regelmäßig zu den Untersuchungen und die Ärzte sind mit ihr zufrieden, das ist doch immerhin was.

Kochen kann sie aber nicht, sei weiß einfach nicht mehr, wie es geht. Sie steht dann am Herd und ist recht verzweifelt. Vater isst gerne Fertiggerichte, das ist es nicht, aber sie möchte doch so gerne noch kochen. Es geht jedoch nicht mehr.

Samstag, 6. Februar 2010

immer weniger

Mutter kann immer weniger, es fällt ihr jetzt auch selber auf. Das verzweifelt sie sehr, auch Vater, aber es ist so, was sollen sie tun? Sie versuchen damit klar zu kommen, so gut es geht. Manchmal ist es sehr schwer. Bald kommen ihre Enkeltöchter, das muntert sie auf. Aber es ist nicht leicht, für Vater nicht und für sie noch weniger.

Freitag, 22. Januar 2010

Zukunftsfernsehen

Mutter ist manchmal sehr verwirrt. Es fällt immer mehr auf. Sie saß mit dem Fernsehprogramm auf ihrem Sessel und studierte den morgigen Tag. Vater machte sie darauf aufmerksam. Ja, sie wisse das. Aber sie wolle den Film heute schon sehen. Vater hielt es für einen Scherz, aber es war ihr sehr ernst. Ob es denn nicht möglich sei, heute schon den Film zu schauen, der morgen in der Zeitung stünde.

Sie versteht es einfach nicht mehr. Die Dinge kommen ihr abhanden. Auch das patchen kommt ihr abhanden, immer wieder trennt sie auf, weil es nicht klappen will. Immer weniger will klappen. Es fällt ihr schwer, das zu verstehen.

Sonntag, 17. Januar 2010

recht gut

Mutter ging es gestern recht gut. Sie patcht mal wieder wie eine Weltmeisterin. Das macht sie glücklich und auch wenn ihre Werke nicht mehr mit der akribischen Sorgfalt gefertigt werden, für die Mutter bekannt war, so sind es doch schöne Stücke und sie ist zufrieden.

Donnerstag, 14. Januar 2010

immer weniger

Mutter kann immer weniger. Vater kann ja nicht kochen und er hatte Hunger und sie sollte ihm eine Bratwurst machen. Sie hat sich gewunden, wollte nicht. Er hat das nicht verstanden, also sie überredet, ihm doch bitte die Wurst zu braten.

Er bekam die Wurst, noch fast roh. Sie weiß einfach nicht mehr, wie das geht. Darum windet sie sich auch so, weil es auch für sie schrecklich ist, zu begreifen, das nichts mehr so ist wie früher.

Sie haben jetzt auf Fertigessen umgestellt. Es geht nicht mehr anders. Vater ist natürlich verzweifelt, aber Mutter ist es auch.