Mittwoch, 30. Juni 2010

es geht ihr besser: die Kinder sind da!!

Mutter hat Besuch bekommen, ihre Tochter aus dem Ausland mit allen Kindern, nun ist sie beschäftigt und abgelenkt und es geht ihr ganz gut. Zumal die Sonne scheint und sie sich wohl fühlt.

Mittwoch, 23. Juni 2010

es wird schlimmer

Mutter wird immer vergesslicher, von jetzt auf gleich vergisst sie alles. Dann geriet sie völlig aus der Fassung, als sie im Fernsehen den Bericht von der Hochzeit der schwedischen Prinzessin sah. Sie weinte bitterlich, weil Vater ihr nicht so ein schönes Hochzeitskleid gekauft hatte.

Es ist wirklich nicht leicht, weder für Mutter, noch für Vater.

Samstag, 19. Juni 2010

besser

Mutter geht es besser, sie hatte viele lichte Momente und ist natürlich verzweifelt, dass sie so durcheinander ist. Aber es geht ihr wirklich besser. Vielleicht greifen ja jetzt die Medikamente, die sie neu bekommen hat. Die Demenz wird sich nicht aufhalten lassen, aber es wird vielleicht einfacher werden und leichter für Mutter.

Sie kommt jedenfalls jetzt recht gut damit klar.

Freitag, 11. Juni 2010

Sonne und Regen

Mutter lebt in einem Wechselbad der Gefühle, oft geht es ihr gut und oft geht es ihr elendig. Weil sie nicht versteht, was mit ihr passiert und weil sie dann sehr verzweifelt ist und sich furchtbar alleine fühlt. Heute war wieder so ein Tag, wo sie merkte, was sie alles nicht mehr weiss und darüber war sie sehr sehr verzweifelt. Eine Stunde später sieht es dann schon wieder ganz anders aus und sie ist fröhlich. Aber leider ist das nicht von Dauer. Die Niedergeschlagenheit lauert an jeder Ecke.

Der Arzt hat Vater gesagt, sie dürfe nicht mehr Auto fahren, weniger weil sie es nicht mehr könne, Demente bauen sehr selten Unfälle, sondern weil sie, kaum dass sie losgefahren sei, nicht mehr weiss, wo sie hinwolle und vor allem, wie es wieder zurück gehe. Das kann sie gar nicht verstehen und ist dann wirklich sehr verzweifelt, kommt sich bevormundet vor, was sie ja definitiv auch wird. Aber die Gefahr ist einfach zu groß. Alleine einkaufen kann sie auch nicht mehr, weil sie mit Unmengen von Lebensmitteln wieder aus dem Geschäft kommt, weil sie vergessen hat, dass sie alles noch zu Hause hat. Geld kann sie auch keins mehr abheben, weil sie ständig Geld abhebt, bis ihr Konto leer ist und zu Hause versteckt sie das Geld und vergisst es dann. Und hebt neues ab und vergisst es... ein Teufelskreis, den sie nicht mehr versteht. Vater laviert sich so durch, mit Ausreden und Überreden, weil sie es nicht mehr versteht.

Er muss auch auf alle möglichen anderen Sachen aufpassen, weil sie alles versteckt, aber nicht mehr weiß, dass sie es versteckt hat. Seine Kontokarte, seinen und ihren Ausweis, alles, was sie so findet, wenn man nicht aufpasst, versteckt sie. Und erinnert sich im nächsten Augenblick nicht mehr daran und dann geht die Sucherei los und sie ist völlig verzweifelt, weil sie meint, man unterstelle ihr, sie habe die Sachen versteckt. Es ist wirklich ein Teufelskreis.

Mit dementen Menschen kann man nicht reden, man kann ihnen nicht erklären, was los ist, könnte man es, wären sie nicht dement. Manchmal, in lichten Augenblicken, sind Gespräche möglich. Aber das sind nur Augenblicke und dann ist auch das wieder vergessen und man sucht erneut das Portemonaie oder den Ausweis oder den Autoschlüssel oder...

Sie kann leider auch nicht mehr anrufen, weil sie auch da nicht mehr weiss, wie das geht. Selbst wenn man ihr die Nummer aufschreiben würde, wüsste sie nicht, wie sie wählen soll. Und wenn jemand anruft und sie ans Telefon geht, passiert es immer wieder (wenn sie an das Schnurlose dran geht), dass sie die falsche Taste drückt und dann ist das Gespräch weg und dann kann man so oft anrufen, wie man will, sie drückt immer wieder die falsche Taste... wenn Vater nicht grad zufällig in der Nähe ist, dann kann man mit ihr nicht sprechen. Weil sie einfach nicht mehr weiß, wie das mit dem Telefon geht.

Es ist traurig, sie ist oft sehr verzweifelt und Vater ist es auch. Wie lange das noch so geht wissen wir nicht. So lange, wie es eben geht. Ihr Hausarzt behandelt sie, aber Demenz ist ja nicht richtig zu behandeln. Sie ist einfach nur zu begleiten. So schwer es auch ist.

Und es ist schwer.

Freitag, 4. Juni 2010

es geht mehr recht als schlecht

Mutter geht es mehr recht als schlecht. Sie kämpft sich durch ihren dementen Alltag. Sie vergisst so viel, fragt, wo ihr Mann wohnt, wo ihre Kinder wohnen. Und machmal fragt sie auch, wo ihr Badezimmer ist.

Es ist nicht leicht für sie und für Vater erst Recht nicht. Aber sie kämpft. Sie war immer eine Kämpferin. Doch jetzt hat sie es wirklich nicht leicht.