Freitag, 30. Juli 2010

Mutter verzweifelt

Heute geht es Mutter gar nicht gut, sie ist sehr verzweifelt. Ihr tut ihre Brust weh, die Ärztin sagt, das sei normal, aber sie ist darüber heute furchtbar verzweifelt. Und weint die ganze Zeit, alles ist ihr zuviel. Zum Glück ist Sport im Fernsehen, das lenkt sie ein wenig ab.

Donnerstag, 22. Juli 2010

es geht so vor sich hin

Mutter ist traurig, dass ihre Enkeltochter nach Hause geflogen ist. Sie ist immer wieder arg durcheinander, aber ansonsten geht es ihr ganz gut. Sie freut sich an ihrem Garten, auch wenn sie nicht mehr viel selber machen kann.

Und sie will gar nicht so recht einsehen, dass sie nicht mehr selber Auto fahren soll. Sie versteht das einfach nicht. Sie hat doch so lange schon den Führerschein, aber fahren darf sie nicht mehr.

Es ist schwer, ihr das zu erklären. Könnte man es ihr erklären, wäre sie nicht dement. So macht es sie oft wütend, aber sie vergisst das gleich wieder.

Nur alleine bleiben kann sie nicht mehr. Nicht mal mehr für 10 Minuten, dann gerät sie ganz durcheinander.

Freitag, 9. Juli 2010

Es geht ganz gut

So, die Kinder sind alle wieder weg, Mutter geht es ganz gut. Vom Krebs ist nicht mehr viel zu spüren, sie geht regelmäßig zu den Untersuchungen und da ist immer alles in Ordnung. Einzig ihre fortschreitende Demenz macht Sorgen, sie kann gar nicht mehr alleine bleiben, weil sie sofort durcheinander kommt. Dann rennt sie verwirrt aus dem Haus, läuft auf der Straßer herum und weiß nicht mehr, wo sie ist. Also nimmt Vater sie jetzt überall mit hin, egal, wo er hinfahren muss. Das ist mitunter anstrengend, aber es geht nicht anders.

Heute hörte sie sich am Telefon ganz aufgeräumt an. Sie will jetzt den Garten "bepflanzen" und weil das ja alles so nicht mehr funktioniert, hat Vater ihr Blumensamen gekauft. Mit den Tütchen werkelt sie nun den ganzen Tag herum. Die Kinder haben ihr geholfen, Topfe mit Erde zu füllen. Und nun ist sie ganz ungeduldig, wann denn nun endlich die Blumen da raus kommen. Wenn man auf sie eingeht, ihr immer wieder alles erklärt und ihr Durcheinandersein gar nicht groß zur Kenntnis nimmt, dann geht es gut. Vater kann das nicht immer, was ja auch verständlich ist, wie soll das gehen, wenn man seine eigene Frau immer mehr verfallen sieht und dabei noch ruhig bleiben? Aber er wächst da hinein, was bleibt ihm auch anderes übrig.

Aber wenn es ihr so gut geht wie heute, wenn sie so aufgeräumt ist und voller Blumensamentatendrang, dann sind alle zufrieden. Klar werden auch wieder Rückschläge kommen, aber das ist einfach so. Es ist ein ständiges Auf und Ab mit permanenter Abwärtsbewegung. Wir Kinder mögen gar nicht daran denken, wenn mal die Tag/Nacht-Grenze aufgehoben ist, oder wie sich das nennt. Das alles wird kommen, der Arzt hat es uns erklärt. Aber noch ist es nicht so weit. Noch geht es ihr einigermaßen gut. Und so soll es möglichst noch ein Weilchen bleiben.