Donnerstag, 23. Dezember 2010

Geschenke einpacken

Mutter findet den Baum wunderschön, den hat ihr Enkel geschmückt. Darunter liegen viele Geschenke, auch von Mutter, die sie aber nicht mehr einpacken konnte, denn sie weiß nicht mehr, wie das geht. Auch vergisst sie immer wieder, was sie wem schenkt. Dann wird sie ganz unruhig, weil sie doch noch Geschenke kaufen muss. Aber wir erklären es ihr immer wieder geduldig, es geht halt nicht anders. Sie hat halt Alzheimer und daran wird sich nichts mehr ändern.

Aber der Baum, der gefällt ihr wirklich gut!

Montag, 13. Dezember 2010

die Angehörigen

Mutter geht es reichlich bescheiden. Und Vater ist sehr bedrückt. Jetzt ist so ein Scheidepunkt erreicht, wo Mutter klar wird, dass sie nicht mehr "normal" funktioniert. Und wo Vater einsehen muss, dass es eben so ist. Für Angehörige ist es nicht weniger schlimm, was da passiert.

Ich war heute in einer Trauergruppe der evangelischen Kirche, mein Mann ist gestorben und ich muss mich damit auseinander setzen. Es waren viele Menschen da, die ihren Liebsten, ihre Liebste verloren haben, auch nach langer schwerer Krankheit. Eine Frau hat ihren Mann 30 Jahre gepflegt. Unglaubliche 30 Jahre, mehr als ein halbes Leben.

Immer da sein für den anderen, immer sorgen für ihn. So, wie mein Vater jetzt für Mutter da ist. Er, der nicht mal wusste, wie man Wasser heiß macht, kann jetzt kochen. Kümmert sich um alles, kümmert sich um Mutter und erträgt klaglos ihre Demenz und was an Aggression dazu gehört. Nicht seine, ihre. Er erträgt das alles.

Mehr als 50 Jahre sind sie nun verheiratet und es kommt die schwerste Zeit ihres gemeinsamen Lebens.

Ich ziehe den Hut vor solch einem Opfer. Für das Gemeinsame, was schrecklich enden kann. Leben ist eben viel mehr als nur die "Rama-Reklame", die uns vorgaukelt, wie schön doch alles ist.

Zusammen leben heißt leider auch oft, zusammen leiden.

Sich schon zu Lebzeiten von dem Ehepartner verabschieden müssen ist mit Sicherheit eine der schwersten Prüfungen, die uns auferlegt werden können.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Verzweifelung

Heute telefonierte ich mit meiner völlig aufgelösten Mutter. Ihr wird langsam klar, dass sie immer weniger kann und immer weniger weiß. "Morgens werde ich wach", erzählte sie mir furchtbar weinend, "und dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin!" Ich versuchte sie so gut es ging zu beruhigen, aber das ist ja nun ein nahezu sinnloses Unterfangen. Weil es nunmal nichts zu beruhigen gibt. Es wird immer schlimmer werden, so ist es einfach. Natürlich sagte ich ihr das nicht, aber so wird es kommen. Ihr Arzt hat uns darauf schon ziemlich schonungslos vorbereitet. Er hat selber seine Mutter mit Alzheimer verloren, sein Vater ist darüber zerbrochen, weil er sich damit nicht abfinden konnte. Er wollte partout seine Frau nicht in ein Pflegeheim geben, selbst als es fast nicht mehr ging. Darüber wurde er so krank, dass er kurz vor seiner Frau an Herzversagen starb.

Zum Glück ist da mein Vater realistischer, zumal ganz nahe bei ein gutes Altenheim ist, die auch eine Pflegestation für Alzheimerpatienten haben. Dort lag auch seine Schwester, meinte Tante, die er täglich sogar mehrmals besuchte. Es ist echt nicht weit, vielleicht ein Kilometer, mehr nicht.

Man könnte meinen, das ist noch Zukunftsmusik, doch der Arzt sagte uns, das kann schneller kommen, als wir es vagen zu denken. Nach seiner Einschätzung erkennt sie in ca. drei Jahren keinen mehr von uns, so weit ist die Erkrankung schon fortgeschritten, es gehe jetzt sehr schnell, wie er meinte.

Darum kommt meine Schwester zu Weihnachten aus dem fernen Orient angereist, wir fahren zu den Eltern, denn wer weiß, wie lange wir noch mit Mutter Weihnachten feiern können.