Montag, 13. Dezember 2010

die Angehörigen

Mutter geht es reichlich bescheiden. Und Vater ist sehr bedrückt. Jetzt ist so ein Scheidepunkt erreicht, wo Mutter klar wird, dass sie nicht mehr "normal" funktioniert. Und wo Vater einsehen muss, dass es eben so ist. Für Angehörige ist es nicht weniger schlimm, was da passiert.

Ich war heute in einer Trauergruppe der evangelischen Kirche, mein Mann ist gestorben und ich muss mich damit auseinander setzen. Es waren viele Menschen da, die ihren Liebsten, ihre Liebste verloren haben, auch nach langer schwerer Krankheit. Eine Frau hat ihren Mann 30 Jahre gepflegt. Unglaubliche 30 Jahre, mehr als ein halbes Leben.

Immer da sein für den anderen, immer sorgen für ihn. So, wie mein Vater jetzt für Mutter da ist. Er, der nicht mal wusste, wie man Wasser heiß macht, kann jetzt kochen. Kümmert sich um alles, kümmert sich um Mutter und erträgt klaglos ihre Demenz und was an Aggression dazu gehört. Nicht seine, ihre. Er erträgt das alles.

Mehr als 50 Jahre sind sie nun verheiratet und es kommt die schwerste Zeit ihres gemeinsamen Lebens.

Ich ziehe den Hut vor solch einem Opfer. Für das Gemeinsame, was schrecklich enden kann. Leben ist eben viel mehr als nur die "Rama-Reklame", die uns vorgaukelt, wie schön doch alles ist.

Zusammen leben heißt leider auch oft, zusammen leiden.

Sich schon zu Lebzeiten von dem Ehepartner verabschieden müssen ist mit Sicherheit eine der schwersten Prüfungen, die uns auferlegt werden können.

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