Dienstag, 7. Dezember 2010

Verzweifelung

Heute telefonierte ich mit meiner völlig aufgelösten Mutter. Ihr wird langsam klar, dass sie immer weniger kann und immer weniger weiß. "Morgens werde ich wach", erzählte sie mir furchtbar weinend, "und dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin!" Ich versuchte sie so gut es ging zu beruhigen, aber das ist ja nun ein nahezu sinnloses Unterfangen. Weil es nunmal nichts zu beruhigen gibt. Es wird immer schlimmer werden, so ist es einfach. Natürlich sagte ich ihr das nicht, aber so wird es kommen. Ihr Arzt hat uns darauf schon ziemlich schonungslos vorbereitet. Er hat selber seine Mutter mit Alzheimer verloren, sein Vater ist darüber zerbrochen, weil er sich damit nicht abfinden konnte. Er wollte partout seine Frau nicht in ein Pflegeheim geben, selbst als es fast nicht mehr ging. Darüber wurde er so krank, dass er kurz vor seiner Frau an Herzversagen starb.

Zum Glück ist da mein Vater realistischer, zumal ganz nahe bei ein gutes Altenheim ist, die auch eine Pflegestation für Alzheimerpatienten haben. Dort lag auch seine Schwester, meinte Tante, die er täglich sogar mehrmals besuchte. Es ist echt nicht weit, vielleicht ein Kilometer, mehr nicht.

Man könnte meinen, das ist noch Zukunftsmusik, doch der Arzt sagte uns, das kann schneller kommen, als wir es vagen zu denken. Nach seiner Einschätzung erkennt sie in ca. drei Jahren keinen mehr von uns, so weit ist die Erkrankung schon fortgeschritten, es gehe jetzt sehr schnell, wie er meinte.

Darum kommt meine Schwester zu Weihnachten aus dem fernen Orient angereist, wir fahren zu den Eltern, denn wer weiß, wie lange wir noch mit Mutter Weihnachten feiern können.

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