Mittwoch, 31. August 2011

Lichtblicke

Gezwungenermaßen musste Vater Mutter für einen Tag in eine Tagespflegeeinrichtung geben speziell für an Demenz erkrankte Menschen. Wo man sich wirklich mit ihnen beschäftigt, wo sie richtig was tun können. Und er holt Mutter ab und sie ist begeistert, versteht nicht wirklich, was da passiert, aber fühlt sich gebraucht, ist beschäftigt und "muss sooooooo viel tun"!!

Wir haben es ihm schon so lange gesagt und jetzt endlich, weil es nicht mehr anders ging, hat er sie dorthin gebracht. Es kam ihm immer vor wie "weggeben", ich kann doch Mutter nicht einfach weggeben, sagte er immer. Und nun sieht auch er, dass es kein weggeben ist sondern ein geben, den sie bekommt wirklich was gegeben!! Und er auch, einen Tag ausspannen in der Woche ist wirklich viel Wert.

Ein kleiner Lichtblick!

wieder zu Hause

Vater hat Mutter am Montag wieder nach Hause geholt, auch wenn sie noch nicht entlassen werden sollte. Es ging einfach nicht mehr. Ein Krankenhaus ist nicht auf die Betreuung von Demnez-Patienten eingerichtet, zwei Schwestern für eine Station, das kann nicht klappen, wenn dann noch eine demente Patientin dabei ist.

Sie haben sich alle Mühe gegeben, aber sie haben einfach nicht die Zeit dafür. So war Mutter in ihrem Zimmer zwar nicht eingeschlossen, aber die Türe war dennoch verrammelt, damit sie nicht immer weglaufen konnte. Sie war ganz alleine in ihrem Zimmer und wurde immer verworrener, so hat Vater sie nach Hause geholt.

Es geht ihr jetzt ein klein wenig besser, aber ihre Verwirrung wird zunehmend schlimmer, das ist so schrecklich mitzuerleben, vor allem für Vater.

Alzheimer ist einfach nur brutal.

Freitag, 26. August 2011

nächtlicher Sturz

Nun ist passiert, was wir schon lange befürchteten, Mutter ist in der Nacht gestürzt, sie hat in ihrem Zimmer das Licht aus gemacht, obwohl sie das ja nicht sollte und das kleine gedimmte Lämpchen extra für die Nacht da stand. Aber sie hat es aus gemacht, wahrscheinlich die Macht der Gewohnheit, und dann wusste sie im Dunkeln wohl nicht mehr wo sie war und dann hörten wir es poltern und das Ende vom Lied, sie liegt im Krankenhaus.

Jetzt baut Vater hier das Zimmer um, Mutter bekommt ein neues Bett, höher vor allem, damit sie es noch leichter hat, er war beim Pflegedienst, es tut sich nun was. Im Krankenhaus wird sie jetzt durchgecheckt und das Veilchen am rechten Auge leuchtet, denn sie ist auch noch so unglücklich mit dem Gesicht aufgeschlagen, dass Mutter aussieht, als habe sie gegen KlitschK.O. geboxt!

Aber sie so erschöpft im Krankenhausbett liegen zu sehen, das war schon sehr sehr traurig.

Donnerstag, 25. August 2011

guter Tag

Mutter sitzt summend vor dem Fernseher und schaut sich Radrennen an. Heute ist ein guter Tag, es geht ihr besser und sie hat ein wenig Freude. Zwei Tage bin ich noch da und auch wenn sie kein Zeitgefühl mehr hat, versteht sie doch gut, was es für sie heißt. Sie sagt, ich soll mir doch hier eine Arbeit suchen, dann könne ich bei ihr bleiben.

Im Wendland ist es sehr schön, aber es ist eben weit vom Rheinland entfernt. Im Oktober bin ich aber wieder ein paar Tage hier und im Dezember sogar etwas länger. Und meine Schwester kommt vielleicht im November und im Dezember auch. Aber das dauert Mutter alles zu lange, sie ahnt vielleicht unbewusst, dass ihre Zeit knapp wird und auch wir wissen, dass es nicht mehr allzu lange diese Gemeinsamkeit gibt. Sie erkennt uns alle noch, aber wo sie wohnt, das begreift sie schon nicht mehr.

Sonntag, 21. August 2011

Mutters Welt

Heute ist ein schwerer Tag für Mutter, denn heute kam die Erinnerung an ihre gesunde Zeit zurück, wenn auch nur für Minuten, aber sie weinte bitterlich und war völlig verzweifelt. Vater und ich haben ein wenig im Garten gearbeitet, Mutter hielt Mittagsschlaf. Plötzlich stand sie hinter uns und weinte, sie wolle so gerne helfen, aber sie könne nichts mehr, gar nichts. Und dann saß sie am Gartentisch und weinte und weinte und konnte nicht mehr aufhören. Ich kann gar nichts mehr, schluchzte sie und dann weinte sie still eine Weile.

Jetzt ist alles wieder gut, ich habe ihr Kaffee gekocht und alles ist vergessen. Sie wurde dann furchtbar wütend, die Frau soll sich noch mal blicken lassen, die ihr das Denken weg genommen hat! Sie wird wahrscheinlich die Gutachterin meinen, die wegen der Pflegestufe kam.

Mutter sieht jetzt auch ständig Fremde im Haus, dann kommt sie ganz aufgeregt die Treppe runter, in ihrem Schlafzimmer sind lauter fremde Leute und die gehen nicht weg und wir sollen sofort kommen und ihr helfen, die Leute müssen weg. Immer wieder sieht sie Menschen, die gar nicht da sind. Vater braucht wirklich viel Geduld.


Mittwoch, 17. August 2011

kleine Hilfen

Ohne diese Hilfen kann Mutter gar nichts mehr. Sie weiß die Reihenfolge von Brot, Butter und der Käsescheibe nicht mehr, sie weiß nicht mehr, ob zuerst die Socken oder die Schuhe, und was in den Schubladen ist, das weiß sie nur dank der kleinen Hilfen, die wir ihr im Haus angebracht haben.

Die Antidepressiva helfen, sie weint nicht mehr den ganzen Tag.

Und Vater versucht mit all dem klar zu kommen.

Was eigentlich unmöglich ist. Und doch gehen muss.

Samstag, 6. August 2011

Siebenmeilenstiefel

Nun schreitet die Krankheit mit Siebenmeilenstiefeln voran. Mutter fragte Vater, wem denn das Haus gehöre, in dem sie wohnen und ob sie die Schränke benutzen dürfe. Diese Art von Fragen werden täglich mehr. Und Mutter weint sehr viel, eigentlich immerzu. Der Arzt hat ihr jetzt ein Antidepressivum verschrieben, wir hoffen, dass es ihr hilft.

Vater hält sich tapfer. Aber man merkt ihm doch an, dass er erschüttert ist.

Sonntag in einer Woche kommt die älteste Tochter für zwei Wochen zu Besuch. Heute hat sich Mutter darüber gefreut. Und dann gleich wieder vergessen.

Alzheimer. Mehr gibt es nicht zu sagen.