Dienstag, 29. November 2011

Mutter und ihre älteste Tochter bei einem Spaziergang an einem Sonntags, das muss so 1964 gewesen sein. Die Kleider hat sie selber genäht, sie hatten damals sehr wenig Geld und Mutter hat dennoch für sich und ihre Familie die schicksten Sachen genäht.


Das war im Sommer 1959, das "Berliner Mädel" mitten im Nirgendwo im Bergischen Land. Auch das superkurze hochmoderne Sommerkleidchen hatte sie sich selbst genäht, Mutter war schon mit 21 ein Multitalent.

Heute ist davon leider nichts mehr übrig, sie findet immer schwerer die Worte, will etwas sagen und kann es dann doch nicht. Und Handarbeiten sagt ihr gar nichts mehr, sie weiß von dem, was sie einst konnte, nichts mehr.

Montag, 7. November 2011

Vergangenheit Abschied Trauer Hoffnung

Mutter wird immer kränker, oder wie soll man das nennen, bei Alzheimer? Ihr Zustand verschlimmert sich von Tag zu Tag und Vater versucht, so gut wie es geht damit klar zu kommen. Sie will immer "nach Hause", weint viel und ist sehr verzweifelt, weil so viele fremde Menschen in ihrem Zimmer sind und immer was von ihr wollen.

Ihre Stoffe (und dies ist ein Hinweis für alle lieben Frauen, die sich hier gemeldet haben und so liebe Vorschläge gemacht haben) sind mittlerweile alle gut untergekommen. Ich danke Euch für Eure Anteilnahme!!

Es tut weh, dass Mutter so langsam verschwindet, dass von der agilen und taffen Frau so gar nichts mehr übrig ist. Dass sie nichts mehr kann, dass diese vielen Stoffe ihr nichts mehr sagen.

Ich bin aber auch froh, dass aus den Stoffen jetzt Taschen für die Drainagebeutel werden und Herzkissen. Und dass aus den Stoffstückchen etwas für ein Kinderhospiz gefertigt wird. Das macht mich und meine Schwester froh, weil das alles so noch einen Sinn hat. Aber daran erkennen wir eben auch, dass es Mutters Leben so nicht mehr gibt, wie es mal war. Es ist ein langer und langsamer Abschied.

Sie hat ihren Krebs überstanden, der jetzt gar kein Thema mehr ist. Jetzt ist nur noch Alzheimer da und belastet sie und Vater sehr. Nun ist ihre Tochter erfolgreich wegen Krebs operiert worden, und es besteht die gute Hoffnung, dass auch das gut ausgehen wird. Vater hatte daran schwer zu knabbern, erst seine Frau, jetzt auch die Tochter und dann schwebt über allem der Alzheimer.

Mittwoch, 2. November 2011

Mutters Geschichte

Heute habe ich, die Tochter, meiner leseunlustigen Freundin die Geschichte meiner Mutter zum lesen mitgegeben, ich ich gerade schreibe:

Als Mutter fortging
Eine Familie und Alzheimer

so der Arbeitstitel, oder wie sich das nennt. Meine Freundin liest wirklich nicht gerne und ich sah schon an ihrem Gesicht, als ich ihr die ausgedruckten Seiten in die Hand drückte, was sie davon hielt. Sie ist dann nach Hause gefahren und eine Stunde später klingelte das Telefon, sie habe nicht mehr aufhören können zu lesen, weil sie wissen wollte, wie es nun weitergeht... ein schöneres Kompliment kann man jemandem ja gar nicht machen, der eine Geschichte schreibt. Jedenfalls ist mir nun klar, ich werde sie zu Ende schreiben, die Geschichte meiner Mutter, wenn es meine leseunlustige Freundin schon gerne liest, werden es sicherlich noch mehr Menschen gerne lesen und vielleicht wird Alzheimer dann mehr und mehr in der Gesellschaft ankommen. Das hoffe ich. Und es soll ein Andenken an meine Mutter sein, der es immer schlechter geht, die immer weniger Worte hat und immer weniger erkennt.

Letztens fragte sie meine Schwester am Telefon, wass denn die Oma mache. Welche Oma? Na deine Mutter, sagte sie dann. Aber Mama, das bist doch du! Schweigen. Oh, ja, ich hab das verwechselt, das sagt sie dann immer, wenn sie nicht mehr weiter weiß.

Und Vater muss das alles tragen.