Sonntag, 18. März 2012

es war einmal

Das haben wir in einer von Mutters Jacken gefunden, einen alten Einkaufszettel, der liegt schon eeeeeewig darin, sie hat nämlich schon lange keinen mehr geschrieben. Es ist, als haben wir ein Stück aus ihrer Vergangenheit gefunden, als sie noch aktiv am Alltagsgeschehen beteiligt war. Jetzt müssen wir immer aufpassen, dass sie nichts anstellt. Den Salzstreuer aufschraubt und den Inhalt auf dem Tisch verstreut und solche Dinge. Ein kurzer unbeobachteter Augenblick kann reichen und der Inhalt des Marmeladenglases fließt in ihre Kaffeetasse. Schimpfen darf man dann nicht, weil sie es nicht versteht, weil sie nicht weiß, dass es nicht richtig ist.

Heute morgen sieht sie noch blauer aus, das Gesicht immer dicker, aber sie hat keine Schmerzen mehr, das ist gut. Morgen muss sie wieder zum Arzt, mal sehen, was der veranlasst.

Arme Mutter.
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Freitag, 16. März 2012

Nasenbein gebrochen

 
Mittags ereilte uns ein Anruf aus der Tagesstätte, Mutter sei gefallen, der Notarzt sei schon auf dem Weg... und so waren wir im Krankenhaus und Mutter hat ein gebrochenes Nasenbein und eine dicke Beule, aber sie kann schon wieder lachen.

Wir sind alle erledigt.
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Donnerstag, 15. März 2012

unerträglich

Der Tag heute mit Mutter war schon schwierig, aber der Abend ist schier unerträglich, sie weint und giftet Vater an und behauptet Dinge, wo wir uns fragen, wo hat sie das nur her. Wenn sie nicht aufräume, müsse sie ausziehen, behauptet sie mit bitterer Stimme und schreit dann ganz laut, als habe man ihr Schmerzen zugefügt. Ich will sie ins Bett bringen, sie steht davor und sagt, das sei nicht ihr Bett und schaut mich verzweifelt an.

Sie ist in einer ganz anderen Welt, wir können sie nicht mehr erreichen, jedenfalls heute Abend nicht. Nun liegt sie weinend im Bett und auch da können wir ihr nicht helfen, sie lässt sich nicht beruhigen.

Dieses Foto ist 1971 in Spanien entstanden, meine Mutter als Diva, so gab sie sich gerne und das war auch etwas, was sie verkörpern konnte. Heute ist davon nichts mehr übrig.

Wir hoffen, der morgige Tag wird besser.
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Samstag, 10. März 2012

Bereitschaft zu ertragen

Das ist Mutter, so, wie wir sie kannten, aktiv, lustig, immer mittendrin. Sie war diejenige, die den Haushalt aufrecht gehalten hat mit ihren Aktvitäten, die sich um alles kümmerte und dafür sorgte, dass es so war, wie es sein sollte. Davon hat der Alzheimer nicht mehr viel übrig gelassen, nun ist es Vater, der sich kümmern muss, der alles macht und für alles sorgt.

Zum Leben gehört alles, nicht nur die schönen Zeiten, wo alles wunderbar war und gut lief. Auch die schlechten Zeiten, wo nichts mehr geht und der Alltag eine Mühsal ist, die gehören auch dazu. Anselm Grün hat es so ausgedrückt, er sagte, damit das Miteinander gelingt, braucht es die Bereitschaft, den anderen in Liebe zu ertragen.

Alzheimer ist ertragen pur.
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Donnerstag, 8. März 2012

Mutter mit Mutter

Mutter weint nun oft, sie will zu ihrer "Mutti" und befindet sich offensichtlich in ihrer Kindheit. Hier sitzt sie mit ihrer Mutter auf unserem großen Balkon im Rheinland, dort waren die beiden so glücklich. Das ist jetzt bald 16 Jahre her. Oma und Mutter hingen sehr aneinander. Sie waren so froh, dass sie zusammen wohnten. Und jetzt sucht Mutter so oft ihre Mutter, mit der sie so gerne zusammen war.
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Freitag, 2. März 2012

früher

Das ist Mutter im Jahr 1994, da stand sie noch aktiv im Berufsleben, war fit und krativ und voller Ideen. So haben wir sie immer noch in Erinnerung, auch wenn sie heute für uns eine völlig andere ist. Eine völlig andere Person.
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Bischofsmützchen

Das ist unser Mütterlein an ihrem Lieblingsplätzchen mit ihrem "Bischofsmützchen", das sie so gerne trägt, weil es ihren Kopf wärmt. Dort trinkt sie auch so gerne ihren Karokaffee, wie ihn ihre Mutter auch so liebte und nach der sie jetzt immer öfter ruft. Oft befindet sich Mutter jetzt in der Zeit ihrer Kindheit, dann fragt sie "wo ist denn die Mutti?" und hört gar nicht hin, was wir ihr sagen, wir sagen auch nichts mehr, es ist besser, sie da zu lassen, wo sie ist.
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Donnerstag, 1. März 2012

Festessen

Das war das Geburtstagsessen von Mutters ältester Tochter, die mal die Eltern so richtig lecker bekochen wollte. Weggehen können wir mit Mutter ja nicht mehr. Sie wird zusehends weniger, ihre Sprache verschwindet, jeden Tag ist ein Sack voll Worte hinfort, oft versteht sie uns auch nicht, weil sie einfach nicht mehr weiß, was die Worte bedeuten. Und am späten Nachmittag eines jeden Tages wird Mutter traurig, dann weint sie und will nach Hause und lässt sich kaum beruhigen. Diese Verzweifelung hält ungefähr zwei Stunden an, dann ist sie genauso schnell weg, wie sie gekommen ist.

Der Alltag mit Mutter wird immer schwieriger. Und wenn die Tochter bald wieder im Rheinland ist, wo ihre Krebsnachsorger weiter geht, dann ist Vater mit Mutter alleine und auf Pflegedienste angewiesen, denn er muss ja auch mal das Haus verlassen.

Mutter kann nicht mehr alleine bleiben, keine Sekunde. Wirklich, keine Sekunde.
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