Donnerstag, 26. Juli 2012

Englisch

Mutter sprach zwei Tage nur Englisch mit den anderen in der Demenz-WG. Außer mit Vater, mit ihm sprach sie, wenn er zu Besucht kam, weiterhin Deutsch. Sie hat in ihrer Jugend bei den Alliierten gearbeitet, vielleicht deshalb, vielleicht kehren Erinnerungen zurück, wer weiß es denn.

Heute kommt sie nach Hause zurück, Vater hat sich erholen können, er klang schon ganz anders. Bald fliegt er zu seiner Tochter und seinen Enkelkindern in den Orient. Darauf freut er sich sehr und nun weiß er auch, dass Mutter längere Zeit untergebracht werden kann und er sich keine Sorgen machen muss. Und eine Nachbarin nimmt die Hunde so lange, alles also kein Problem.

Jedenfalls organisatorisch nicht. Alles andere ist nach wie vor schwer. Aber so ist das nunmal mit dieser Krankheit. Das Leichte verschwindet aus dem Leben. Für immer.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Auszeit

Heute wurde Mutter für eine Woche in die Kurzzeitpflege abgeholt, Vater braucht eine Auszeit, er kann nicht mehr. Über kurz oder lang wird sie ganz in die Demenz-WG ziehen, es geht nicht mehr. Doch Vater tut sich mit dem Gedanken so schwer, das gemeinsame Leben "einfach so" zu beenden, wie er sagt. Wir alle wissen, dass es weiß Gott nicht "einfach so" ist, aber er braucht seine Zeit, um damit fertig zu werden.

Und Mutter? Mutter kann keinen einen Satz mehr zusammenhängend sprechen. Und telefonieren kann sie überhaupt nicht mehr.

Vater sagte heute so richtig, das alles ist sehr sehr traurig.