Dienstag, 21. August 2012

zerfaserte Kinderseelen

Heute sprach ich mit meiner Psychoonkologin über die Auswirkungen von fortgesetzten Misshandlungen auf Kinder. Über zerfaserte Seelen, die versuchen, in sich selbst einen Halt zu finden und das gelingt ihnen nicht.

Es ging nicht um mich. Es ging um Mutter. Und ich sprach über das Buch, was ich gerade schreibe, über Alzheimer. Wie diese Krankheit eine Familie verändert und ich sprach über die Stärke, die Mutter mir mitgegeben hat.

Meine Krebserkrankung hat meinen Blick auf Mutter verändert. Ich weiß nicht, ob Krebs einen Sinn hat, ich weiss nicht, ob das Leben einen Sinn hat, ob es Sinn überhaupt gibt, ich hoffe es. Hat Alzheimer einen Sinn? Was ist wirklich wichtig im Leben?

Mutter hat mir viel gegeben und das hätte ich nie für möglich gehalten. Wenn Krebs einen Sinn hat, dann den, dass ich erkenne, was meine Mutter mir war.

Sie wird immer weniger. Aber je weniger sie wird, desto mehr ist sie für mich.

Mittwoch, 8. August 2012

immer weniger

Mutter wird immer weniger. Mutter kann immer weniger. In der Tagespflege fühlt sie sich wohl. Nun wird sie bald in ein Hein kommen, wo man sich speziell um an Demenz erkrankte Menschen kümmert. Vater fällt der Schritt schwer, aber er merkt, dass es so nicht mehr geht. Wir alle wissen, dass es besser so ist. Mutter hätte nie gewollt, dass Vater so mit ihr zusammen leben muss. Und doch, etwas endet, etwas, was immer eine feste Größe in unserem Leben war. Schwere Gedanken.