Mittwoch, 4. Dezember 2013

Erinnerung

Mutters letzter vollständiger Quilt, hängt jetzt an der Bürotüre ihrer Ältesten Tochter und verbreitet im Advent Weihnachtsstimmung. Wer Mutter kennt, der weiß, dass sie niemals, aber auch wirklich niemals zu ihren gesunden Zeiten einen solchen Quilt auch nur gezeigt hätte, geschweige denn verschenkt. Aber genau darum ist er so schön, weil er so verletztlich ist. Auf dem Foto sieht man das nicht, da muss man schon davor stehen. Es ist auch kein Quilt, es sind aufgenähte Stoffstückchen, aber er ist wunderschön, es ist ihr letztes vollständiges Werk und es ist eine wunderschöne Erinnerung an Mutters Kreativität.

Montag, 18. November 2013

auf und ab

Es geht Mutter wieder besser, sie kommt aus dem Krankenhaus, wo sie liegt und gar nicht mehr da ist. Ich finde diese Vorstellung furchtbar und ich weiß, sie hätte das so nie gewollt, aber so ist es nun. Immerhin geht es ihr besser. Immerhin das.

Samstag, 16. November 2013

dramatische Verschlechterung

Gestern wurde Mutter ins Krankenhaus eingeliefert, es ging ihr seit dem Morgen nicht gut und am Nachmittag trat eine dramatische Verschlechertung ein und der Notarzt wurde gerufen. Nun sucht man, was sie haben könnte. Fragen, wo es ihr weht tut, kann man sie ja leider nicht mehr.

Vater war erst sehr geschockt und völlig aufgelöst. Jetzt geht es ihm besser. Was uns erwartet, wissen wir nicht. Ich weiß auch nicht, was ich Mutter wünschen soll. Dass es ihr bald besser geht, so oder so.

Freitag, 18. Oktober 2013

Mutters Land des Lächelns

Es gibt nicht allzuviel zu berichten von Mutter, sie wird halt immer weniger, nun ist sie ein kompletter Pflegefall, manchmal reagiert sie noch auf Vater, aber es ist selten geworden. Sie kann nun nichts mehr. Aber sie lächelt oft. Vielleicht geht es ihr ja gut.

Montag, 20. Mai 2013

Auftauchen

Vater war heute ganz erschüttert und gerührt, Mutter, die doch immer weiter versinkt in ihrer Welt, die kaum noch teilnehmen kann am Alltag, schlug heute die Augen auf, sah ihn klar und deutlich an und sagte mit fester Stimme "du passt schön auf mich auf" und dann war sie wieder versunken.

Demenz ist nicht ein gleichbleibendes weg-sein, Demenz ist ein Auf und Ab in einem stetigen Versinken. Wo es auch immer wieder ein Auftrauchen gibt.

Sonntag, 28. April 2013

Frühling im Wendland

Es ist Frühling und an Mutters Lieblingsbaum in ihrem Garten blühen die Knospen. Und sie kann es nicht mehr sehen. Und sähe sie es, sie könnte es nicht mehr aufnehmen. Mitte April schien es, als käme sie wieder zurück, sie sprach sogar mit Vater!! Antworte auf seine Fragen, sprach ihn mit seinem Namen an. Uns war allen klar, dass dies nur ein weites Auf bei vielen Auf's und Ab's ist und dem folgt unweigerlich ein Ab. Sie ist nun wieder in ihrer Welt und reagiert fast gar nicht mehr. Sie hat sogar für einen Tag das Schlucken eingestellt. Nahrungsaufnahme war also nicht möglich. Vater war der Verzweifelung nahe, was aber wohl daran liegt, dass er viel mehr nicht mehr tragen kann.

Und es wird endlich Frühling und alles will blühen.

Sonntag, 7. April 2013

Thrombose

Dies ist der Blick aus Mutters Fenster in ihrem Zimmer. Sie kann das gar nicht mehr wahr nehmen. Doch manchmal antwortet sie auf Vaters Fragen. Heute fragte er sie, ob es ihr gut ginge und sie sagte leise aber verständlich "nein".

Es geht ihr wirklich nicht gut. Die Thrombose, die dann tatsächlich festgestellt wurde, ist fast weg, sie bekommt jeden Tag zwei Spritzen dagegen. Das Pflegeheim ist sehr gewissenhaft und wir sind wirklich sehr froh, dass sie dort so gut untergebracht ist. Aber es geht Mutter halt nicht gut, wie soll es jemandem auch gehen, der Alzheimer fast in der Endphase hat?

Donnerstag, 4. April 2013

Verdacht auf Thrombose

Mutter in ihrem neuen therapeutischen Rollstuhl, in dem sie so bequem sitzen und liegen kann. Denn nur im Bett liegen geht nicht. Sie braucht Bewegung.

Gestern allerdings ist sie ins Krankenhaus gekommen, Verdacht auf Thrombose, das war sehr dramatisch, eine Demenzerkrankung, Pflegestufe III und dann im Krankenhaus, das alleine ist schon ein Akt.

Vater ist jetzt erstmal wieder hingefahren, wir wissen noch nicht genau, was weiter geplant ist. Mutter ist so verloren dort im Krankenhaus, weil sie ja gar nicht weiß, wo sie ist, was los ist. Hoffentlich kann sie bald wieder raus!

Donnerstag, 28. Februar 2013

Mutters Spuren überall

Seit einer Woche wohne ich nun alleine im Haus meiner Großeltern, habe mir mein Büro neu eingerichtet und traurig daran gedacht, wie gerne ich mit Mutter dekoriert habe, sie konnte das so wunderbar. Wie oft hat sie mir grad hier oben im Zimmer geholfen, hatte Ideen und hat auch für mich Gardinen und ähnliches genäht. Das alles gibt es nur noch in der Erinnerung. Mutter kann nichts mehr. Nicht mal mehr ein Glas Wasser halten, sie kann nichts. Es ist so traurig.

An der Wand hängen vier bunte Bilderrahmen, darinnen sind von ihr liebevoll gefertigte Quilts, richtige kleine Kunstwerke, mit passenden Knöpfen verziert, das sieht so schön aus. Als sie noch zu Hause wohnte, war sie sehr stolz darauf, nun hängen sie bei mir und ich bin froh darüber, denn ich erinnere mich so gerne daran, wenn Mutter und ich dekoriert haben. Sie hatte immer die tollsten Ideen.

Ach Mutter, ich würde Dir das so gerne zeigen!

Dienstag, 8. Januar 2013

kaum noch da

Mutter ist kaum noch da, sie erkennt uns nicht mehr, Vater hatte sie immer noch erkannt, doch auch ihn kann sie nicht mehr einordnen. Sie fühlt noch, dass er zu ihr gehört, das hat uns ja der Medizinprofessor auf der Alzheimer-Veranstaltung erklärt. Das Gefühlszentrum bleibt erhalten. Sie wird auch immer ruhiger, wenn Vater da ist.

Aber sie wird von Tag zu Tag weniger. Bald liegt sie nur noch, gehen kann sie schon lange nicht mehr, sie wird im Rollstuhl hin und hergeschoben. Sie spricht mit niemandem mehr, abgesehen davon, dass sie nicht sprechen kann, aber sie nimmt auch keinen Kontakt mehr auf. Da ist so gut wie nichts mehr.

Alzheimer ist ganz grausam. Für alle. Wenn Mutter doch nur gehen könnte, das viele Liegen ist gar nicht gut für sie und macht alles nur noch schlimmer. Doch der Gedanke, dass Mutter fort geht, ist so schwer. Und er tut so weh.